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Ufa feiert 90. Geburtstag

22.08.2007 15:23

Berlin - Vor 90 Jahren wurde eine Firma in das Handelsregister eingetragen, deren Firmenlogo zum Synonym für Leinwandträume werden sollte: Die Ufa (Universum-Film- Aktiengesellschaft).

Ufa feiert 90. Geburtstag

Marlene Dietrich betört als Lola in dem Ufa-Film "Der blaue Engel" von 1929 die Männerwelt.

Ein Ufa-Film oder ein Ufa-Star wurden Gütekennzeichen für perfekte Kino-Unterhaltung, standen aber in den dunkelsten Zeiten auch für Massenkunst und Massenverführung. Heute firmiert unter dem Ufa-Markenzeichen die größte deutsche Film- und TV-Produktionsgesellschaft. So reicht die Ufa-Historie vom «Blauen Engel» bis zur Fernseh-Soap «Gute Zeiten, schlechte Zeiten».

Das genaue Geburtsdatum ist zwar im Dezember, aber gefeiert wird schon im Sommer. An diesem Donnerstag steigt die große Ufa-Gala in der Bertelsmann-Vertretung Unter den Linden im Herzen der Hauptstadt. Erwartet werden zur Geburtstagsfeier unter anderem der Filmproduzent Artur Brauner, der Kameramann Michael Ballhaus, die Schauspieler Senta Berger, Michael Degen, Heino Ferch, Dieter Hallervorden, Fritzi Haberland, Hannelore Hoger, Joachim Krol, Ursela Monn, Gudrun Landgrebe und Axel Prahl, die TV-Moderatoren Sabine Christiansen und Jörg Pilawa sowie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Der Konzern mit dem Ufa-Rhombus als Markenzeichen, der über viele, zum Teil sehr große Ateliergelände in und um Berlin sowie zahlreiche Kinos in der Hauptstadt und im ganzen Reich verfügte, blühte nach dem Kriegsende 1918 erst richtig auf. Die ersten Filmstudios befanden sich meist in nur etwas vergrößerten Fotoateliers in der Berliner Innenstadt - der erste «Titanic»-Stummfilm wurde zum Beispiel in einem Hinterhof in der Chausseestraße gedreht. Als die Ufa das Licht der Welt erblickte, wurden die Filme bereits auf den immer größer werdenden Atelierkomplexen von Tempelhof, Johannisthal, Weißensee, Staaken und Babelsberg bei Potsdam gedreht. Die «Ufa-Stadt Babelsberg» wurde schnell zum größten Ateliergelände des Kontinents, zum «europäischen Hollywood», die Ufa zur bedeutendsten Filmgesellschaft in Europa.

Für einige Jahre standen die Buchstaben Ufa für beachtliche Filme, die heute zu den Klassikern zählen und sogar für avantgardistische Filmkunst, die weltweites Aufsehen erregte, bis der Konzern unter dem Nationalsozialismus wieder dort landete, wo er hergekommen war: In der Propaganda- und Kriegsmaschinerie. Als Quittung dafür zerschlugen die alliierten Sieger 1945 den Ufa-Konzern.

Zu den Ufa-Klassikern gehören Filme wie «Metropolis» von Fritz Lang, «Die Nibelungen», «Dr. Mabuse», «Der Golem» mit Paul Wegener, «Kohlhiesls Töchter» mit Henny Porten, «Madame Dubarry» mit Pola Negri, «Der blaue Engel» mit Marlene Dietrich und Emil Jannings, «FP 1 antwortet nicht» mit Hans Albers, «Fridericus Rex» mit Otto Gebühr, «Heimat» mit Zarah Leander, «Eine Nacht im Mai» mit Marika Rökk, «Der Kongreß tanzt» mit Lilian Harvey und Willy Fritsch, die zusammen mit Heinz Rühmann auch den großen Erfolg «Die drei von der Tankstelle» drehten. Aber auch Filme wie «Stukas», «U-Boote westwärts», «Jud Süß» und der in den letzten Kriegstagen gedrehte Durchhaltefilm «Kolberg» mit Heinrich George verzeichnen die Annalen der Ufa, die zu dieser Zeit längst fest im Griff der Nationalsozialisten war.

Zwei Filme aus der dunkelsten Ufa-Zeit werden auch heute noch als gelungen angesehen, vor allem angesichts der Dreharbeiten mitten im Krieg: «Münchhausen» von Josef von Baky (1943) mit Hans Albers und nach einem Drehbuch von Erich Kästner, dessen Bücher 1933 öffentlich verbrannt worden waren. Der in den letzten Kriegstagen 1945 auf der Havel zwischen Berlin und Potsdam gedrehte Film «Unter den Brücken» von Helmut Käutner mit Carl Raddatz und der jungen Hildegard Knef erlebte erst nach dem Krieg seine Premiere.

Am 17. Mai 1946 gründeten die sowjetischen Besatzungsbehörden die Deutsche Filmaktiengesellschaft, kurz DEFA, und stellten ihr die alten Ufa-Studios in Potsdam-Babelsberg zur Verfügung, wo als erster Spielfilm Wolfgang Staudtes «Die Mörder sind unter uns» mit Hildegard Knef gedreht wurde. Die DEFA beherbergte bis zur Wiedervereinigung in ihren Archivbunkern am Rande von Berlin auch die alten Ufa-Schätze mit über 1000 Stumm- und Tonfilmen, von denen sie im DDR-Fernsehen zur hellen Freude der ostdeutschen TV-Zuschauer jeden Montagabend einen Klassiker zeigte. Das restliche Reichsvermögen blieb in den westlichen Besatzungszonen unter treuhänderischer Verwaltung, bis es 1956 zur Privatisierung von Bavaria und Ufa kommt. 1964 erwarb Bertelsmann die Universum-Film AG.

Auf Betreiben der Bundesregierung und der Filmwirtschaft wird gleichzeitig die in Wiesbaden ansässige Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung errichtet, die die Rechte an den Ufa-und Bavaria-Filmen erwirbt. Das Ufa-Namensrecht verbleibt bei Bertelsmann. Ab Herbst 1991 entwickeln Wolf Bauer, Norbert Sauer und Axel Reick die Ufa Film & TV Produktion in Berlin, wo seither zahlreiche große TV- Produktionen wie «Der Tunnel», «Stauffenberg», «Bella Block» und Serien wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» entstehen.

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