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Ernüchterung in Venedig trotz Stars und Sternchen

07.09.2007 14:20

Venedig - Selten waren beim Filmfestival in Venedig die Erwartungen an die Wettbewerbsbeiträge derartig hoch - und selten waren Kritiker und Publikum einen Tag vor den Preisverleihungen derartig ernüchtert.

Ernüchterung in Venedig trotz Stars und Sternchen

Trotz prominenter Stars wie Brad Pitt (r) und Angelina Jolie sind die Kritiker in Venedig ernüchtert.

Die Hollywoodstars kamen gleich scharenweise angereist, große Themen waren angesagt, es gab Filme über den Irakkrieg, über die Musiklegende Bob Dylan. Es gab einen Thriller mit George Clooney, ein «Theaterstück» (vom Literaturnobelpreisträger Harold Pinter) mit Michael Caine und Jude Law. Was will man mehr? Nur auf die große Begeisterung, die große Überraschung, den großen Film hat man am Lido vergeblich gewartet.

Wenn am Samstagabend in einer feierlichen Gala der Goldene Löwe übererreicht wird, dürfte es daher spannend werden wie lange nicht mehr. Nur eines steht fest: Die Jury unter Leitung des chinesischen Filmemachers Zhang Yimou hat es schwer. Zwar ist Venedig für Überraschungen berühmt - einen echten Favoriten gibt es bislang aber nicht.

«Es gibt schöne Filme und halb schöne Filme», schreibt Natalia Aspesi, Kritikerin der angesehenen römischen Zeitung «La Repubblica». Das klingt nach allem anderen als nach Begeisterung, das klingt nach viel Mittelmaß. «Schönes Kino ohne Meisterwerke», kritisierte sie, das klingt nach Ernüchterung. 22 der Wettbewerbsfilme kamen diesmal aus den USA (darunter drei US-Ko-Produktionen). Niemals zuvor gab es eine derart starke Hollywoodpräsenz am Lido. Für die «Revolution» am Lido ist Festivaldirektor Marco Müller verantwortlich, er hat in nur vier Jahren das Festival entstaubt, neuen Schwung und Elan gebracht. Und nun?

Da war das Thema Irak, zum ersten Mal seit Kriegsbeginn vor vier Jahren hat Hollywood das Thema Krieg enttabuisiert, Hollywood- Regisseur Brian De Palma präsentierte «Redacted», sein Kollege Paul Haggis «In the Valley of Elah», beides sehenswerte, bedrückende Streifen. «Aber was zeigen Sie uns, was wir nicht schon zuvor gewusst haben?», fragte ein Kritiker De Palma bei einer Pressekonferenz. Dennoch: De Palmas Streifen über die Vergewaltigung und Ermordung einer 14-Jährigen durch US-Soldaten wird immer wieder als Anwärter für den Löwen gehandelt.

Als «Kontrastprogramm» sozusagen wird ein anderer Anwärter genannt, ein Film ohne großen Aufwand, ohne große Kosten, ohne «großes Thema». «La Graine et le mulet» heißt der Beitrag, den der aus Tunesien stammende Regisseur Abdellatif Kechiche mitbrachte. Es geht um nichts weiter als den ganz normalen Alltag einer nordafrikanischen Einwanderfamilie in Frankreich, die alltäglichen Probleme «kleiner Leute», doch wie der Regisseur das in Szene setzt, vielfach nämlich über die Gespräche der Familie am Esstisch - das ist schon bemerkenswert. Aber ist er einen Löwen wert?

Noch bemerkenswerter ist da «Les Amours d' Astrée et de Céladon», vom französischen Altmeister Eric Rohmer, eine Liebesgeschichte aus einer «fantastischen Zeit», in der griechischen Göttern gehuldigt wird. Manche Kritiker meinten schon, der poetische Streifen sei so etwas wie eine Erholungspause zwischen den anderen nervenzehrenden Beiträgen gewesen. Ein Film fürs große Kino ist er sicher nicht, aber ein Film für den Löwen? Eher brav, aber dafür politisch korrekt war Ken Loachs «It's a free World», eine Story über die Ausbeutung von Fremdarbeitern in Großbritannien, der Film wurde mit Deutschland koproduziert.

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