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Hessischer Film-Ehrenpreis an Günter Lamprecht

14.10.2007 11:46

Frankfurt/Main - Mit internationaler Prominenz und einer imposanten Gala in der Frankfurter Alten Oper sind am Freitagabend die Hessischen Film- und Kinopreise vergeben worden. Zu den Stars des Abends zählten die Regisseure Michael Winterbottom und Roland Emmerich sowie die Schauspielerinnen Katrin Sass, Katja Riemann und Maria Schrader.

Hessischer Film-Ehrenpreis an Günter Lamprecht

Joachim Król bezeichnete Günter Lamprecht (r) als einen der «größten Schauspieler seiner Zeit».

Günter Lamprecht war «überrascht und sehr gerührt», als er den Ehrenpreis überreicht bekam und von 1200 Besuchern mit Ovationen gefeiert wurde. «Ich bin wahrhaft keine Legende», betonte der 77-jährige Charakterdarsteller. Er machte damit klar, dass mit ihm noch lange zu rechnen ist. Und der große Theater- und Filmschauspieler, der als Franz Biberkopf in Rainer Werner Fassbinders Serie «Berlin Alexanderplatz» berühmt wurde, nutzte zugleich die Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf die TV-Sender. Viele ältere Schauspieler seien auf dem Bildschirm kaum noch zu sehen und würden stattdessen zu «Legenden erklärt».

Lamprecht sei einer der «größten Schauspieler seiner Zeit», sagte Kollege Joachim Król in einer sehr emotionalen Laudatio. Der undotierte Ehrenpreis an den gebürtigen Berliner, der inzwischen eine zweibändige Biografie seines bewegten Lebens vorgelegt hat, war Höhepunkt der Film-Gala. Zum fünften Mal wurden die mit insgesamt 185 000 Euro dotierten Auszeichnungen in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse vergeben - zum ersten Mal im feierlichen Rahmen der Alten Oper. «Wir sind angekommen», meinte der hessische Kunstminister Udo Corts (CDU).

Mit einem eigens aufgelegten Fonds von 20 Millionen Euro hat sich das Bundesland zum Ziel gesetzt, als Film-Standort in Deutschland ganz vorne mitzuspielen. Erst am Freitag wurde offiziell auch eine hessische Film- und Medienakademie mit Sitz in Offenbach aus der Taufe gehoben. In Hessen setzt die Filmwirtschaft nach Angaben von Corts immerhin rund 2,4 Milliarden Euro um und hat rund 80 000 Beschäftigte.

Das Besondere am Hessischen Filmpreis ist, dass sich hier Weltläufigkeit und Regionales begegnen. So werden innovative Hochschul- und Kurzfilme von jungen hessischen Filmemachern ausgezeichnet wie auch kleine Kinos, die gutes Programm machen. In einem - nicht immer einfachen - Balanceakt versuchen die Organisatoren zugleich, dies mit dem Glamour bekannter Schauspieler und Regisseure zu verbinden. Als Laudatoren waren am Freitagabend neben Król unter anderem Dominic Raacke, Nikolai Kinski, Nina Petri, Maria Schrader, Esther Schweins und Katharina Schüttler aufgeboten worden.

Außerdem war der britische Regisseur Michael Winterbottom gekommen, um für seinen gerade angelaufenen Film «Ein mutiger Weg» den mit 10 000 Euro dotierten Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste internationale Literaturverfilmung abzuholen. Im Film, der auf dem Buch der Journalistin Mariane Pearl basiert, deren Mann in Pakistan von einer El-Kaida-Splittergruppe ermordet wurde, spielt Angelina Jolie die Hauptrolle.

Gekommen in die Alten Oper war auch einer der erfolgreichsten deutschen Hollywood-Regisseure, Roland Emmerich («The Day after Tomorrow«), zusammen mit seinem Partner Marco Kreuzpaintner. Ihr Film «Trade - Willkommen in Amerika», in dem es um modernen Sklavenhandel und Zwangsprostitution geht, läuft demnächst im Kino an.

Den Hauptpreis (30 000 Euro) erhielt der in Hessen entstandene Spielfilm «Madonnen», der mit Sandra Hüller in der Hauptrolle auf ganz ungewöhnliche Weise das Leben einer Mutter und ihrer fünf Kinder erzählt. Die Berliner Regisseurin Maria Speth machte bei der Entgegennahme des Preises dem aufstrebenden Filmland dabei das größte Kompliment: «Leute dreht in Hessen, es ist wunderbar. Und man kann auch Preise gewinnen.»

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