(21.05.2012)
11.12.2007 15:42
Hamburg - William Friedkin (72), der sich durch alle Genres gearbeitet hat, hat eine Menge Filme gedreht. «French Connection» (1971) und «Der Exorzist» (1973) wurden Klassiker. Die Neuverfilmung von «Lohn der Angst» unter dem Titel «Atemlos vor Angst» (1977) war dagegen ziemlich überflüssig.
Seine besten Jahre hatte der als arrogant verschriene Einzelgänger in den Siebzigern. In den 80er Jahren verschwand der versierte Regisseur - von «Leben und Sterben in L.A.» einmal abgesehen - fast vollständig von der Bildfläche. Aufgegeben aber hat sich Friedkin nie, dessen aktueller Film «Bug» jetzt auf DVD erschienen ist.
«Die Menschen gehen aus drei Gründen ins Kino. Sie wollen lachen, weinen oder erschreckt werden», lautet die einfache Philosophie Friedkins. Und «es gibt nur drei Gründe, einen Film zu drehen. Man will die Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen oder sie erschrecken.»
Gelacht wird in «Bug», in dem Ashley Judd, Michael Shannon und Harry Connick, Jr. die Hauptrollen spielen, gar nicht. Der Film beginnt als bedächtig inszeniertes Drama, das langsam in einen blutigen Horror-Trip umschlägt, bei dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen.
Irgendwo im amerikanischen Niemandsland: Agnes (Ashley Judd), eine Frau in den mittleren Jahren, schuftet in einer Lesben-Kneipe, haust in einem heruntergekommenen Motel und hat Angst vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann Jerry (Harry Connick, Jr.), der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Da taucht eines Tages Peter (Michael Shannon) auf, dessen Vater ein Priester ohne Kirche und ohne Gemeinde ist. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Burschen, der etwas von bedrohlichen Insekten faselt und ziemlich durch den Wind zu sein scheint. Aber Agnes klammert sich an ihn und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Bei Peter schlägt offenbar der Wahnsinn langsam durch. Angeblich wurden mit dem flüchtigen Soldaten während des Golfkrieges Experimente durchgeführt, weshalb nun blutsaugende Insekten in seinem Körper herumkrabbeln. Das Fürchten lehrt einen Peter, als er sich mit einer Zange einen Zahn herausreißt, um die in seiner Füllung versteckten Eipakete zu vernichten. Ist das Paranoia? Oder vielleicht doch wahr? Agnes, die Peter abgöttisch liebt, folgt ihm auf seinem Weg ohne Wiederkehr.
Auf einem Theaterstück basierend und wie ein Kammerspiel inszeniert, ist Agnes' Motel der Schauplatz unbeschreiblichen Schreckens. Zwei verlorene Seelen im Niemandsland, die besessen - ein Thema das Friedkin schon in «Der Exorzist» ausgiebigst sezierte - und unaufhaltsam dem Abgrund zueilen. Gruselig.
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