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«Das Waisenhaus»: Höllisch spannender spanischer Thriller

10.02.2008 13:55

Hamburg - Schnell ziehen Wolken über das einsam am Meer gelegene Haus. Im Garten spielen Kinder, es ist Frühling, Blüten liegen auf dem Rasen, eine schwarz gekleidete Aufseherin ruft ihre Schützlinge zusammen. Aber die Idylle wirkt unecht, aufgesetzt. Über den Bildern liegt eine latente Bedrohung, die sich einfach nicht fassen lässt.

«Das Waisenhaus»: Höllisch spannender spanischer Thriller

Laura (Belén Rueda) wird von der Vergangenheit eingeholt.

So beginnt Juan Antonia Bayonas höllisch spannender Thriller «Das Waisenhaus», der sechs Wochen lang an der Spitze der spanischen Kinocharts stand und dort bereits mehr als 23 Millionen Euro einspielte. Produziert wurde das geheimnisvolle, zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelnde Drama vom mexikanischen Regisseur und Mystery-Spezialisten Guillermo del Toro («Hellboy», «Pans Labyrinth»). Entstanden ist ein glänzend besetzter, routiniert inszenierter Horrorfilm, der, vergleichbar mit «Blair Witch Project» (1999) oder «The Others» (2001), mit ganz wenigen Schockelementen auskommt.

Bayona erzählt die Geschichte von Laura (Belén Rueda, «Das Meer in mir»), die zusammen mit ihrem Mann, dem Arzt Carlos (Fernando Cayo), ein altes Herrenhaus am Meer gekauft hat, um dort ein Heim für behinderte Kinder zu eröffnen. Früher diente der unheimliche Bau als Waisenhaus, Laura selbst verbrachte als Kind einige Jahre an diesem Ort, ihr siebenjähriger Adoptivsohn Simón (Roger Pricep) scheint sich hier gar nicht wohl zu fühlen.

Als Simón Bilder von sechs Spielgefährten malt, die nur in seiner Fantasie zu existieren scheinen, werden die Eltern langsam unruhig. Der Junge benimmt sich immer sonderbarer, rebelliert offen gegen seine Eltern und behauptet, dass er nicht alt werden wird. Bei einem Kostümfest im Waisenhaus verschwindet er schließlich spurlos.

Der 1975 in Barcelona geborene Juan Antonio Bayona versammelt in seinem Debütfilm alle Zutaten des Genres: düstere Korridore, knarrende Dielen, verwunschene Gartenhäuschen. Eine Prise Hitchcock darf nicht fehlen. Dazu gesellt sich eine seltsame alte Dame (Montserrat Carulla) mit dicken Brillenbläsern, und Geraldine Chaplin spielt ein Medium, das Kontakt mit den Geistern des Hauses aufnimmt. Mit der Logik darf man es hier nicht so genau nehmen.

Richtig stark ist «Das Waisenhaus» im Atmosphärischen: Kameramann Oscar Saura findet fast immer stilvolle Bilder für die Einsamkeit des Adoptivsohns und die Panik der Mutter. Eine mit Muscheln übersäte Höhle am Meer oder eine vergessene Besenkammer werden zu magisch ausgeleuchteten Schreckensorten. Und so handelt der Film letztlich von der Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. Mein Kind, das unbekannte Wesen.

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