(21.05.2012)
15.02.2008 15:45
London - Dass Johnny Depp mit seinem durchdringenden Blick Frauenherzen zum Schmelzen bringt und gerne ungewöhnliche Charaktere spielt, ist dem Kinopublikum bereits bekannt.
Dass er jedoch auch ziemlich gut singt, dabei flink rasieren und ungehalten morden kann, beweist er in seinem neuen Musicalfilm «Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street». Unter der Regie seines Freundes Tim Burton spielt Depp einen dämonischen Barbier, der auf der Suche nach Vergeltung halb London die Kehle durchschneidet. Das dunkle Werk dürfte neben Musical- und Johnny-Depp-Fans vor allem jene Kinogänger begeistern, die gerne massig Blut über die Leinwand rinnen sehen.
Schauplatz ist nach der Vorlage des originalen Broadway-Musicals das düstere London des 19. Jahrhunderts, in dem Ratten und Kakerlaken durch die Gassen huschen. Der Barbier Benjamin Barker (Depp) kommt Jahre nachdem er unschuldig in Haft saß nach London zurück - gewillt, sich unter dem Decknamen Sweeney Todd an allen zu rächen, die Schuld an seinem Unglück hatten. Hauptziel des mörderischen Vorhabens ist Richter Turpin (Alan Rickman), der ihm einst Frau und Tochter weggenommen hat. Todd kann auf seine Nachmieterin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter) bauen, die ihm nicht nur Hilfe anbietet, sondern auch in ihn verliebt ist. Fortan gurgelt das Blut aus den Kehlen, was zuweilen fast schon eintönig wird.
Neben dem Blutgespritze steht die Geschichte eines gebrochenen Mannes, den das Schicksal für immer verändert hat. Es geht um zutiefst menschliche Gefühle, findet Depp. «Der Film handelt vor allem von Rache. Rache, die wir alle ein wenig in uns tragen.» Daneben versucht Burton auch die Liebesgeschichte zwischen Todd und Lovett zu platzieren. Doch diese bleibt etwas flach und wirkt neben dem Rachemotiv wenig ausgearbeitet.
Depp überzeugt mit tiefen Augenringen und leichenblass in seiner Rolle, für die er einen Golden Globe bekam. Um das Stück von Musicalkomponist Stephen Sondheim auch stimmlich zu meistern, musste er sich allerdings auf ein bisher unbekanntes Feld wagen: «Ich habe vorher noch nie gesungen - nicht mal unter der Dusche», sagte der 44-Jährige. In seiner Band spielte er in den 80er Jahren lediglich Gitarre. Für seinen Freund Burton («Charlie und die Schokoladenfabrik», «Edward mit den Scherenhänden»), mit dem Depp zum sechsten Mal drehte, hat er diese Strapazen jedoch auf sich genommen. Enthusiasten verglichen den Sänger Depp bereits mit David Bowie.
Der Film ist somit unterhaltsam, aber nicht brillant. Dazu dass sich auch weniger große Musicalfans nicht über den Kinoeintritt ärgern, tragen auch die Nebendarsteller Timothy Spall, der in den Harry-Potter-Filmen den Wurmschwanz spielt, und Borat-Darsteller Sacha Baron Cohen bei. Leider begibt sich letzterer schon zu Beginn des Films unter Depps Messer - und verschwindet von der Leinwand.
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