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«Die Schwester der Königin» mit Natalie Portman als Anne Boleyn

03.03.2008 11:13

Berlin - Intrigen, Machtgier und Verrat: Das Drama «Die Schwester der Königin» wirft einen Blick auf den finsteren englischen Königshof im 16. Jahrhundert.

«Die Schwester der Königin» mit Natalie Portman als Anne Boleyn

Anne Boleyn (Natalie Portman, r.) und Mary Boleyn (Scarlett Johansson).

Natalie Portman und Scarlett Johansson buhlen als zwei Schwestern um die Gunst von Heinrich VIII. Portman («Hautnah») spielt Anne Boleyn, die zur Königin wird, dann aber verstoßen wird und auf dem Schafott landet. Das Kinodebüt des englischen TV-Regisseurs Justin Chadwick ist eine Verfilmung des Romans «The Other Boleyn Girl» von Philippa Gregory.

Die Lebensgeschichte des englischen Königs Heinrich VIII., der zwei seiner sechs Ehefrauen hinrichten ließ, liest sich wie ein blutiges Shakespeare-Drama. Etwa 50 Mal war die Vita des Herrschers in hundert Jahren vor der Kamera. Emil Jannings, Charlton Heston, Richard Burton und zuletzt Ray Winstone (2003) gaben den abgründigen Monarchen. In dem neuen Hollywoodfilm muss sich Eric Bana («München») im prachtvollen Herrscherkostüm mit einer Nebenrolle begnügen.

Denn im Zentrum stehen die beiden Schwestern Boleyn, die wahrlich in tiefer Feindschaft verbunden sind. Beide werden von ihrer machtbewussten Familie auf den Herrscher angesetzt, um den Einfluss der Boleyns am Hof zu sichern. Während die sanfte Mary (Johansson, «Match Point») sich mit ihrer Stellung als Geliebte begnügt, strebt Anne nach Höherem. Sie verdrängt ihre Schwester aus dem royalen Bett und will dann auf dem Thron Platz nehmen. Die Historie nimmt ihren Lauf: Heinrich VIII. lässt die Ehe mit der Spanierin Katharina von Aragon annullieren, weil sie ihm keinen Sohn als Nachfolger geboren hatte, und bricht mit der katholischen Kirche.

Die geschichtlichen Daten dienen in dem Film letztlich nur als lose Eckpfeiler, zwischen denen der Regisseur ein detailverliebtes, fiktives Psychogramm der Schwestern spinnt. Historische Größen wie Thomas Cromwell und Thomas Morus tauchen nicht auf, der Eklat mit dem Papst wird eher beiläufig erwähnt. Eric Banas König Heinrich bleibt eindimensional und bloßer Funktionsträger für die Entwicklung der Schwestern. Auch Kristin Scott Thomas kann ihre Mutterrolle in wenigen Auftritten kaum ausspielen: Sie gibt ihre Kinder als Mätressen her und äußert erst Bedenken, als das Schicksal nicht mehr aufzuhalten ist.

So bleibt viel Raum für die Hollywoodstars Johansson und Portman. Drehbuchschreiber Peter Morgan («The Queen») skizziert sie als klare Gegensätze und macht es sich damit doch etwas einfach: Johansson gibt das sanftmütige, nachgiebige Blondchen, Portman die skrupellose, aggressive dunkle Schönheit. Johansson macht das Beste aus ihrem undankbaren Part, in dem sie hauptsächlich schön und passiv sein muss. Ein Erlebnis ist die schauspielerische Leistung der 26-jährigen Portman: Sie scheitert zunächst und kann ihre Wut hinter der höfischen Maske kaum verbergen. Dann nimmt ihr Eroberungsplan ein Tempo auf, das sie schließlich selbst aus der Bahn wirft.

Der Film kann als sogenanntes Prequel - als Vorgängerfilm - zu den beiden «Elisabeth»-Werken mit Cate Blanchett gesehen werden, endet «Die Schwester der Königin» doch mit dem Blick auf die junge Elisabeth, Tochter von Anne Boleyn und künftige Königin im «Goldenen Zeitalter». «Die Schwester der Königin» ist eine eindrucksvolle Kostümschau, bei der einige Kameraeinstellungen an die Gemälde des Hofmalers Hans Holbein der Jüngere erinnern.

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