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100. Geburtstag Helmut Käutners

25.03.2008 09:19

Düsseldorf - Joseph Goebbels tobte. Der NS-Chef-Propagandist hatte dem Regisseur voller Erwartung die modernste Farbfilmtechnik Deutschlands zur Verfügung gestellt. Doch statt zackiger deutscher Seeleute stand ein alternder Säufer im Mittelpunkt des neuen Films.

100. Geburtstag Helmut Käutners

Der deutsche Regisseur und Schauspieler Helmut Käutner 1978.

Dazu gab es Schlägereien und leichte Mädchen. In dem Hamburg-Melodram «Große Freiheit Nr. 7» (1943) zeigte Helmut Käutner nur gebrochene Helden. Geschickt wie kaum ein anderer Künstler umging der gebürtige Düsseldorfer die Zensur der Nazis. Neben Wolfgang Staudte gilt er als wichtigster deutscher Regisseur der Nachkriegsjahre. Heute wäre Käutner 100 Jahre alt geworden.

Der Enkel des Strahlenmedizin-Pioniers Wilhelm Conrad Röntgen war über Theater, Kabarett und Drehbuch-Schreiben auf den Regiestuhl gelangt. Viele Zuschauer verbinden den Namen Helmut Käutner heute vor allem mit familiengerechten Lustspielen der 50er Jahre. Bei «Monpti» (1957) etwa turtelten Romy Schneider und Horst Buchholz durch Paris. Auch die Liebes- und Verwechslungskomödie «Zürcher Verlobung» (1956) mit Liselotte Pulver und Paul Hubschmid traf den Geschmack der Adenauer-Zeit.

Doch Käutner stellte sein Können vor allem in den letzten Kriegsjahren und kurz nach der Stunde Null unter Beweis. «Er zeigt, dass es gelingen konnte, sich als Regisseur nicht in die Innere Emigration zurückzuziehen, sondern sich dem NS-Regime mit zeitlosen Filmen und versteckten Zeichen zu widersetzen», sagt der Chef des Düsseldorfer Filmmuseums, Matthias Knop.

«Große Freiheit Nr. 7» wurde im besetzten Prag gedreht, weil Hamburg nach Bombenangriffen in Schutt und Asche lag. Schwermütige Melodien wie «La Paloma» verstärkten den düsteren Charakter. Dass die Produktion mit Hans Albers und Ilse Werner den Nazis suspekt war, ist daran zu sehen, dass die wenigen Kopien nicht im Inland zu sehen waren, sondern nur den Wehrmachts-Truppen in besetzten Ländern gezeigt wurden. Die Behörden verboten den Streifen schließlich Ende 1944 als «Wehrkraft zersetzend». Erst im September 1945 war der Film einem größeren Publikum zugänglich und gilt heute als Klassiker. Auch Käutners melancholische Dreiecksgeschichte «Unter den Brücken» (1944) erreichte erst nach dem Krieg die Zuschauer.

Seine Aufarbeitung der NS-Zeit drehte Käutner mit dem Episodenfilm «In jenen Tagen» (1947). Aus der Sicht eines alten Opel Kadett erlebt der Zuschauer die Geschichte seiner Besitzer zwischen 1933 und 1945. Als verkanntes Meisterwerk gilt das Werk «Epilog» (1950). «Es ist ein spannender Thriller über Leute, die eine Fahrt mit einem Boot unternehmen», erklärt der Filmhistoriker Knop. «Der Film ist in neo-realistischem Stil gedreht. Es gibt harte Kontraste und Mystery-Elemente. Jemand verschwindet.» Dass Käutner seiner Zeit voraus war, rächte sich. «Der Film war völlig erfolglos und ist vergessen.»

Käutner setzte mit einigen Werken wie dem Widerstandsdrama «Des Teufels General» (1955) - inspiriert vom Schicksal des Kampffliegers Ernst Udet - noch Glanzlichter. Jedoch musste er einen herben Rückschlag verkraften, als seine Firma Camera-Film Pleite ging. Käutner nahm gezwungenermaßen Auftragsarbeiten an. «Er war nicht mehr eigenverantwortlich», schildert Knop die Arbeitsbedingungen für die späteren Projekte. Immerhin reihte sich Publikumserfolg an Publikumserfolg, darunter «Ludwig II.», der «Hauptmann von Köpenick» und das «Das Haus in Montevideo». Das bittere Urteil des Filmhistorikers: «Es ist Dutzendware.» Käutner starb 1980 in Italien.

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