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«Funny Games U.S.»: Haneke macht's noch einmal

23.05.2008 15:00

Hamburg - Zwei gelbe Regenmäntel hängen im Hausflur, einer klein, einer groß, bereit für einen Segeltrip von Vater und Sohn. Doch aus dem idyllischen Familienurlaub am See wird nichts in Michael Hanekes «Funny Games U.S.».

«Funny Games U.S.»: Haneke macht's noch einmal

Michael Haneke hat seinen Thriller «Funny Games» noch einmal gedreht.

Jäh und absolut vernichtend bricht Gewalt ein in das Leben von Vater, Mutter, Kind. Elf Jahre nach seinem verstörenden Drama «Funny Games» mit Susanne Lothar und Ulrich Mühe hat der Provokateur aus Österreich die Geschichte nun in die USA verlegt. Szenenfolge und Dialoge sind nahezu vollständig beim Alten geblieben. Die Veränderungen ergeben sich vor allem aus der Besetzung mit US-Stars wie Naomi Watts und Tom Roth.

Warum so eine Neuauflage? Er habe schon bei der ersten Fassung das «amerikanische Publikum im Visier» gehabt, erklärt Haneke, der sonst jede Deutung seiner Werke wie «Caché» oder «Die Klavierspielerin» verweigert, im Presseheft zu «Funny Games U.S». Schon damals habe er reagiert «auf ein bestimmtes amerikanisches Kino, seine Gewalt, seine Naivität, und auf die Art, wie es mit den Menschen spielt».

«Ene, mene, muh - und raus bist Du», so heißt es im Film: Nie kam der Tod so banal daher, so zynisch und so frei von Erklärung oder irgendeiner moralischen Grundierung. Eine Familie, wohlhabend, gebildet, gesund und nett, fährt in ihr schickes Ferienhaus in den Hamptons an der amerikanischen Ostküste. Schon bei der Ankunft liegt Spannung in der Luft. Warum verhalten sich die Nachbarn so seltsam? Was stehen da für junge Männer mit im Garten?

Die «Besucher» der Nachbarn klopfen bald auch bei den von Naomi Watts und Tim Roth gespielten Eltern an: Weißes Polohemd, weiße Shorts, makellos weiße Converse-Turnschuhe, weiße Handschuhe, die Frisur sitzt. Der Teufel hat die selbstbewusst perfekten Manieren amerikanischer Eliteschulabsolventen. Doch die beiden, die sich mal Peter und Paul, mal Tom und Jerry nennen, wollen ganz und gar nicht nett sein, sondern «Spiele» spielen. Mit routinierter Brutalität überwältigen sie die Familie. Eine Nacht der Qualen, der grausamsten Zumutungen, der körperlichen und seelischen Folter beginnt.

Michael Haneke versteht sein Handwerk. Die Geschichte entwickelt eine soghafte Spannung, die immer wieder durch direkte Kommentare der Killer in die Kamera gebrochen wird. Diese Kommentare stellen die Erwartungen des Publikums infrage und machen - nachdem Naomi Watts einen der Killer getötet hat - doch jede Hoffnung «auf ein Ende mit positiver Entwicklung» zunichte. Der überlebende Täter sucht hektisch nach der Fernbedienung, spult den Kinofilm zurück, bringt seinen Kumpan wieder ins Leben und gewinnt seine Wette.

«Funny Games U.S» ist wie schon das Original faszinierend und abstoßend zugleich. Das ist keine Unterhaltung, sondern eine schwer zu ertragende Erfahrung. Hanekes Hoffnung, in den USA vielleicht die Menschen zu erreichen, die sich durch die unbeschreiblichen Gewaltorgien von Kinohits wie «Hostel» oder «Saw» vergnügen lassen, ging bisher aber nicht auf: In Nordamerika haben die Zuschauer die Komplizenschaft mit den Mördern verweigert. «Funny Games U.S» hat hier nur knapp eine Million Dollar eingespielt - der Folterschocker «Hostel» brachte das Fünfzigfache in die Kasse.

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