(21.05.2012)
14.09.2008 14:22
Berlin - Das leibhaftige Wirtschaftswunder des deutschen Nachkriegsfilms in Gestalt der Produzentenlegende Artur Brauner ließ die Champagnerkorken knallen und sich von Stars und Sternchen, Weggefährten und der Familie in ganz großem Rahmen feiern.
«90 Jahre und 250 Filme» galt es zu feiern, wie es in der Festbroschüre des Abends hieß, als die Familie für Brauner eine «Überraschungsparty» in der Berliner Mercedes-Welt am Salzufer zelebrierte anstatt ihn, wie er annehmen sollte, zur «Turandot»-Premiere in die Deutsche Oper zu fahren. 90 Jahre war Brauner zwar schon am 1. August geworden, aber jetzt war Zeit zur ausgelassenen Party mit Wiener Walzer, Kasatschok und «Wenn ich einmal reich wär» mit turbulenten Polonaisen oder temperamentvoller jüdischer Folklore zur Feier eines «Monuments des deutschen Films», wie es Gäste formulierten.
In den glamourösen Automobilhallen warteten etwa 500 geladene Gäste auf den Jubilar, darunter die Schauspieler Mario Adorf, der auch die Festansprache hielt, und «Winnetou» Pierre Brice sowie der ungarische Regisseur Istvan Szabo. Klaus Maria Brandauer, der mit Szabo Brauners Film über den Hellseher «Hanussen» drehte, kam zu später Stunde direkt von der Peter-Stein-Premiere «Der zerbrochne Krug» vom Berliner Ensemble herüber, um mit einem Wodka auf die Zusammenarbeit anzustoßen. Brandauers «liebster Satz» von Brauner ist: «Der Brandauer will alles so haben, wie es in seinem Vertrag steht.» In Vertrags- und Finanzfragen versteht auch Brauner keinen Spaß, und an diesem fröhlichen Abend sollte auch Brauners Ärger mit den Banken vergessen werden, die er zuletzt in Zeitungsanzeigen heftig attackiert hat.
Zu den anderen Ehrengästen des Abends gehörten Produzenten-Kollegen wie Regina Ziegler, der Kabarettist Dieter «Didi» Hallervorden, die Sängerin Katja Ebstein, der Bühnenautor Curth Flatow, der 16 Filmdrehbücher für Brauner-Unterhaltungsfilme geschrieben hat, sowie Alt-Playboy Rolf Eden oder Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU).
Für Mario Adorf ist Brauner «bis heute die bekannteste Person des deutschen Nachkriegsgeschäfts, die Betonung liegt auf Geschäft». Adorf erinnerte an die legendären CCC-Studios von Brauners «Central Cinema Company» in Berlin-Haselhorst, in denen sich Stars wie Hans Albers, Curd Jürgens und Heinz Rühmann tummelten sowie Filme wie «Mädchen in Uniform» mit Romy Schneider und Lili Palmer, «Die 1000 Augen des Dr. Mabuse», «Die Nibelungen», «Die Ratten» mit Maria Schell und der letzte Film mit Romy Schneider, «Die Spaziergängerin von Sanssouci» gedreht wurden.
So trug denn auch an diesem Abend jeder der festlich gedeckten Tische eines jener Filmplakate, die Brauners Ruhm begründeten, der aber auch bis heute seine laute Stimme gegen das Vergessen mit Filmen über den Holocaust produzierte wie «Hitlerjunge Salomon» und «Der letzte Zug». Brauner wurde 1918 im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzgroßhändlers geboren. So meint denn auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, der Antrieb für Brauners Gestaltungswillen sei «vor allem auf seine traumatischen Erlebnisse während der NS-Gewaltherrschaft zurückzuführen». Brauner habe sein Leben und sein Schaffen dem Appell «Nie wieder!» gewidmet.
Für den ARD-Programmdirektor Günter Struve ist Brauner, wie er in der Festbroschüre betont, «ein außergewöhnlicher Produzent, die große Ausnahmeerscheinung im deutschen Filmgeschäft». Günter Rohrbach, Präsident der Deutschen Filmakademie, sieht in Brauner «einen besessenen Liebhaber des Kinos», er sei, wie es der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in seiner Grußadresse formuliert, «ein wunderbarer Mensch, der die Höhen und Tiefen des Lebens kennt». Und für Ralf Wolter, einer der Protagonisten in den Karl-May-Filmen, nimmt sich «jede Amazonasfahrt wie ein kindliches Murmelspiel gegen Brauners Lebensabenteuer aus».
Zwei große Wünsche wurden an diesem Abend auch geäußert. Der Regisseur Istvan Szabo («Mephisto») will noch einmal einen Film mit Brauner drehen, vielleicht ja die Neuverfilmung des «Dr. Mabuse», die Brauner plant, und der Jubilar selbst hat den großen Wunsch, mit der Hollywood-Legende Kirk Douglas und dessen Sohn Michael Douglas einen Film zu machen. Der gesundheitlich angeschlagene Kirk Douglas erinnerte sich in seiner Grußadresse in der filmischen Geburtstags-Hommage, die seine Familie für ihr Oberhaupt drehte, in bewegenden Worten Brauner an vergangene Berliner Zeiten: «Weißt du noch, wie wir abends Würstchen auf dem Kurfürstendamm gegessen haben?» Der Abend war noch voller anderer Erinnerungen an vergangene große Zeiten des deutschen Films, die so auch nicht wiederkehren, wie Brauner ja auch seine Memoiren genannt hat: «Mich gibt's nur einmal.»
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