(21.05.2012)
21.11.2008 15:42
Hamburg - Mit ihren langen Zöpfen und den bunten Kleidern sieht die junge Malerin Ana (Manuela Vellés) wie ein verspätetes Hippie-Mädchen aus - sie passt einfach nicht ganz in unsere Gegenwart.
Aufgewachsen ist sie auf Ibiza, in der Obhut ihres Vaters Klaus (Matthias Habich). Dort malte sie farbenfrohe, naive Bilder für Touristen, lebte in einer Höhle, bis sie von der Kunstmäzenin Justine (Charlotte Rampling) entdeckt wird, die sie nach Madrid einlädt.
Dort lernt Ana in einer Art Künstler-Wohngemeinschaft den jungen Maler Said (Nicolas Cazalé), einen Kriegsflüchtling aus Marokko kennen, der eines Tages spurlos verschwindet. Von diesem Tag an unternimmt Ana mit Hilfe des Hypnotiseurs Anglo (Asier Newman) schmerzhafte (Alp)-Traumreisen in ihre eigene Vergangenheit, die viel länger zurück liegt als ihre eigene Lebenszeit.
Regisseur Julio Medem («Die Liebenden des Polarkreises», «Lucia und der Sex») legt mit «Caótica Ana» eine filmische Meditation über die Kraft der Weiblichkeit vor, in der die Gesetze der Logik außer Kraft gesetzt sind. «Diese Geschichte ist eine mythologische Konstruktion rund um die Figur Ana, aber quasi hinter ihrem Rücken, ohne dass sie davon weiß und - als sie davon erfährt - ohne dass sie es will», erläutert Medem, der neben Pedro Almodóvar und Alejandro Amenábar zu dem wichtigsten Autorenfilmern Spaniens zählt.
Im Grunde ist Medems metaphysisches Melodram, wie viele Arbeiten Almodóvars, eine Hommage an die Stärke der Frauen und zugleich Elegie über ihre fortdauernde Unterdrückung. Für diesen Antagonismus findet Medem betörend schöne Bilder, die zusammen mit dem Soundtrack der britischen Filmkomponistin Jocelyn Pooks («Eyes Wide Shut») einen unwiderstehlichen Sog entwickeln. Und so folgen wir der hypnotisierten Ana in die Sahara, wo sie in einem Wüstenzelt ein Kind gebiert, oder nach Arizona zu dem uralten Naturvolk der Anasazi. Ana hat viele kurze Leben, und immer starb sie bereits im Alter von 22 Jahren, eine selbstbewusste Kriegerin und zugleich immer Opfer männlicher Gewalt.
Zuweilen drängt sich dann dieser Grundkonflikt allzu zaunpfahlwinkend in den Vordergrund. Schon ganz zu Beginn ist es der männliche Falke, der die unschuldige weibliche Lerche angreift, und immer wieder erstarrt Medems ungewöhnlich kunstvoller Film trotz seiner Bildmächtigkeit in schematischem Symbolismus. Schade, ganz am Ende segelt Julio Medem nicht mehr im poetischen Freiflug, sondern landet bei einer bestürzend platten Pointe. Trotzdem sollte man ein Rendezvouz mit der chaotischen Ana unbedingt einplanen.
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