(06.02.2012)
11.02.2009 12:47
Berlin - Der Junge, der sich gegen die Berliner Mauer stemmt, ist Leonardo DiCaprio. Seine Mutter Irmelin schaut zu, als der Hollywoodstar den Schnappschuss bei Cinema for Peace zeigt.
Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher feiern sich bei der Benefizgala schon einmal warm, der 20. Jahrestag des Mauerfalls steht an. Catherine Deneuve darf rauchen, Gastgeber sind bei ihr tolerant wie bei Helmut Schmidt. Als im Berliner Konzerthaus der Hauptgang (Filet vom Brandenburger Jungrind) serviert wird, hat sich die Filmdiva im langen schwarzen Kleid eine ihrer dünnen Zigaretten angesteckt.
Cinema for Peace lockt am Montagabend mit einer Mischung aus politischen Botschaften, Filmglamour und rauschenden Roben. Ben Kingsley, Diane Kruger sowie die Stammgäste Bob Geldof und Christopher Lee sind gekommen. Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat sich von der Friedensgala, bei der eine eigene Preisverleihung im Programm steht, deutlich distanziert. Cinema for Peace soll nicht mit einer Veranstaltung der Filmfestspiele verwechselt werden. Die Gala erhöht zwar den Berliner Glamourfaktor, aber nicht alles läuft glatt.
Blitzlichtgewitter irrlichtert über den roten Teppich und «Leo!, Leoooo!!!»-Chöre sind zu hören, als DiCaprio aufkreuzt. Boris Becker steht auf der Gästeliste, wird aber nicht gesichtet. Seine Ex-Verlobte Sandy Meyer-Wölden ist da. Als das Publikum im Saal bei der Eröffnungsrede von Diane Kruger noch nicht zuhört, schimpft Geldof: «Haltet die Klappe!» Aufs Essen müssen die Gäste warten. Die Tische sind mit Kerzenleuchtern, Zitronen, Paprikaschoten und Rosenkohl, der in Blumentöpfe gehäuft ist, geschmückt.
In acht Kategorien werden Trophäen überreicht. Gus Van Sants Drama «Milk» ist der «wertvollste» Film des Jahres. Ein «Inspirationspreis» geht an «Operation Walküre», der von Stauffenbergs Attentat auf Hitler 1944 handelt. Musiker Roger Waters bekommt zum Mauerfall-Jubiläum einen Preis für das Pink-Floyd-Album und das Konzert «The Wall», singt aber nicht.
Jubel erntet Ex-Sowjet-Präsident Gorbatschow, den die Deutschen als «Gorbi» zum Ende des Kalten Krieges ins Herz schlossen und der als Laudator für DiCaprio auftritt. «Wir werden dir und deinem Volk niemals vergessen, was du damals getan hast», ruft Ex-Außenminister Genscher seinem «alten und guten Freund» zu. Gorbatschow gratuliert den Deutschen, dass sie in einer Umfrage als die beliebteste Nation abgeschnitten haben.
Hollywoodstar DiCaprio, der als besonders «grün» gilt und die Doku «The 11th Hour» produzierte, ist ernsthaft bei der Sache. Er hoffe, dass die USA mit Präsident Barack Obama Vorreiter in Sachen Umweltschutz werden. «Die Umweltkrise zu lösen, ist ein entscheidender Punkt. Es ist unsere nächste Berliner Mauer», sagt er. Das Publikum freut sich über das Foto von 1988, das seine deutsche Großmutter gemacht hat. DiCaprio, der beim Mauerfall 14 Jahre alt war, nennt Deutschland «seine zweite Heimat».
Der Erlös der Gala (Karten ab 1000 Euro aufwärts) soll diesmal in die Stiftungen von DiCaprio und Gorbatschow fließen. 400 000 Euro kommen nach Veranstalterangaben zusammen. Bei der Auktion wird Exklusives versteigert, darunter eine Kochstunde für Kinder mit Sarah Wiener für 7000 Euro und ein Besuch bei einer Alexander-Mc-Queen-Modenschau für 9000 Euro. Am Schluss schmettert ein Chor, der für die Söhne Mannheims eingesprungen ist, «Freude schöner Götterfunken».
Das Gruppenbild zum Finale fällt aus. Dabei sind einige bekannte Gesichter da: Ex-Außenminister Joschka Fischer mit seiner Frau Minu Barati-Fischer, Umweltminister Sigmar Gabriel, Schauspieler wie Jan Josef Liefers, Heike Makatsch und Christiane Paul, Filmemacher Wim Wenders und Model Franziska Knuppe. «Mir hat's gut gefallen», sagt Schauspieler Peter Lohmeyer nach der Gala. Er habe Lust auf die Filme bekommen, um die es ging.
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