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Liam Neeson bleiben nur «96 Hours»

16.02.2009 15:22

Berlin - Paris als Sündenbabel: In dem Actionfilm «96 Hours» feiert die französische Oberschicht Partys mit Sexsklavinnen im Hinterzimmer, während korrupte Polizisten Schampus trinken.

Liam Neeson bleiben nur «96 Hours»

Bryan Mills (Liam Neeson) macht gnadenlos Jagd auf Bösewichte.

Andere Zwangsprostituierte erwarten in Bretterverschlägen weniger betuchte Kunden. Die französische Produktion zeigt die Stadt an der Seine als alptraumhaften Moloch. Liam Neeson legt als irdischer Racheengel diesen Sündenpfuhl trocken. Sein Motiv: Albanische Menschenhändler haben in der französischen Hauptstadt seine 17-jährige Tochter entführt. Der Film ist ein weiteres Action-Werk von Drehbuchschreiber und Produzent Luc Besson («Transporter», «Taxi»).

In 96 Stunden, so die Statistik der CIA, werde sich die Spur zur Entführten für immer verlieren. So macht sich Neeson umgehend auf den Weg. Er spielt einen amerikanischen Geheimagenten, der unlängst seinen Job an den Nagel gehängt hat. Nun muss er nach Paris fliegen und den Entführern folgen. Dabei geht er äußerst brutal vor. «Wenn es sein muss, reiße ich den Eiffelturm ein», sagt er zu einem französischen Beamten, der seinen blutigen Rachefeldzug bremsen will.

Doch der Eiffelturm kommt nicht vor. Regisseur Pierre Morel («Banlieue 13») verzichtet auf Postkartenmotive - obgleich viele Actionszenen erkennbar an Originalschauplätzen gedreht wurden. Dass sich Morel auf die Action-Handlung konzentriert, ist eine Stärke des Films. Keine Nebenhandlungen lenken ab. Die Geschichte ist linear und stimmig dramatisiert: Die erste halbe Stunde beginnt ruhig, dann wird die Spannungs-Schraube angezogen.

Hauptdarsteller Neeson, der als Titelheld von «Schindlers Liste» (1993) in die Kino-Annalen einging, entwickelt sich nach «Batman Begins» und «Seraphim Falls» immer mehr zum Action-Star. Trotz dünnem Dialogtext überzeugt der 56-Jährige mit Mitteln der Mimik und Athletik. Der Wahl-Berliner und James-Bond-Bösewicht Anatole Taubman («Ein Quantum Trost») tritt als Menschenhändler auf.

Wie so oft hat das bleihaltige Kinouniversum von Luc Besson keinen doppelten Boden. Alle Figuren bleiben flach gezeichnet, ob die verwöhnte Göre, der protzige Stiefvater oder die diabolisch dreinblickenden Kriminellen. Letztlich ist «96 Hours» ein durch und durch reaktionärer Film. Keine der Gewalttaten des Helden wird infrage gestellt. Der Zweck heiligt die Mittel, und es sterben immer die Bösen.

Doch das ist in diesem Fall nicht unbedingt ein Makel: Schließlich ist der Film reines Genrekino für Actionfans - und erhebt auf erfrischende Art keinerlei Anspruch, mehr zu sein. Andere Rache-Filme wie «Die Fremde in dir» oder «Death Sentence» wollten mehr. Sie verhandelten das Thema Lynchjustiz ambivalent - und enttäuschten gerade durch das unsägliche Abwägen von Verständnis und Unverständnis für eine Filmfigur, die das Gesetz in die eigene Hand nimmt. «96 Hours» hingegen bemüht sich weder um eine intellektuelle Ebene noch um Realitätsbezug. Die Filmemacher setzen auf eine wohldosierte Action-Choreographie. Das gelingt.

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