(06.02.2012)
11.08.2006 10:50
Los Angeles (dpa) - Ohne ihn hätten sich viele Hollywoodstars nichts zu sagen. In dem Watergate-Drama «Die Unbestechlichen» legte er Robert Redford und Dustin Hoffman kluge Worte in den Mund.
In dem Psychothriller «Misery» (1990) lieferte William Goldman den Erfolgsautor Paul Sheldon (James Caan) einem besessenen Fan (Kathy Bates) ans Messer. Robert Downey Jr. ließ er als «Chaplin» (1992) sprechen. Mit mehr als 60 Drehbüchern und zwei Oscar-Trophäen ist William Goldman einer der gefragtesten Skriptschreiber Hollywoods. Am Samstag (12. August) feiert er seinen 75. Geburtstag.
Seine erste Oscar-Statue für den Western «Butch Cassidy und Sundance Kid» (1969) mit Paul Newman und Robert Redford nahm Goldman nicht einmal persönlich in Empfang. Er hatte sich «null Gewinnchancen» ausgerechnet und war der Gala-Show einfach ferngeblieben. Sieben Jahre später stieg er selbst auf die Bühne, als sein Drehbuch für die «Die Unbestechlichen» den höchsten Filmpreis gewann.
Kein Genre ist vor ihm sicher. Er verfasste das Skript zu einem der berühmtesten Antikriegsfilme «Die Brücke von Arnheim» (1977). In den Krimis «Der Marathon-Mann» (1976) und Clint Eastwoods «Absolute Power» (1997) schmiedete er komplizierte Polit-Plots. In der Western-Parodie «Maverick» (1994) spannte er Mel Gibson und James Garner als komisches Team ein. Mit den «Frauen von Stepford» wagte er sich 1975 in die Sci-Fi-Welt, mit «Jurassic Park III» (2001) ins Fantasy-Land.
Wenn anderen Autoren die Worte ausgehen, dann greift Goldman oft als «Script-Doctor» ein. So legte er bei «Wilde Kreaturen» (1997) und «Mission Impossible II» (2000) den letzten Schliff an. Der Hollywood-Insider nahm kein Blatt vor den Mund, als er in den Sachbüchern «Das Hollywood-Geschäft» und «Wer hat hier gelogen?» über die Eitelkeiten und Machtspiele der Filmindustrie herzog. Selbstironisch frotzelte er über Hollywood: «Nobody Knows Anything» (Niemand weiß Bescheid).
Sein eigenes Film-Wissen zeigt Goldman allerdings gern vor. In der Oscar-Saison fachsimpelt er gewöhnlich über Favoriten und Verlierer. 2000 schimpfte er nach zwölf Oscar-Nominierungen für «Gladiator» über «das schlechteste Filmjahr aller Zeiten». Der Oscar-Akademie hielt er vier Jahre später vor, moralisch-belehrenden Filmen den Vorzug geben. «Ich glaube nicht, dass Filme uns zu moralisch besseren Menschen machen sollen», sagt Goldman. Dafür seien Eltern und Lehrer da. Ein guter Film habe «Erinnerungsmomente, die uns aufregen, zum Lachen bringen und echte Tränen hervorlocken».
Goldman hatte seinen ersten «Drehbuch-Moment» in den 60er Jahren bei dem Skript für das Detektivdrama «Ein Fall für Harper». Darin kratzt Paul Newman (als Privatdetektiv Lew Harper) alten Kaffeesatz aus dem Mülleimer zusammen, braut sich eine neue Tasse auf, kostet, und verzieht das Gesicht. «Tobendes Gelächter im Kino. Das war mein Kaffee-Moment». Damit schloss das Publikum die Figur sofort ins Herz und der Film wurde ein Hit, sagt Goldman.
Der 1931 im US-Staat Illinois geborene Autor, der vor seiner Hollywood-Karriere Literatur studierte, schrieb mit 25 Jahren den ersten von insgesamt 20 Romanen. Am bekanntesten ist sein Fantasy- Buch «Die Brautprinzessin», ein fantastisches Märchen mit Riesen, Prinzen und Fabelwesen.
Zum Schreiben verlässt Goldman seine Hollywoodvilla und geht jeden Tag in ein Büro. Damit habe er das Gefühl etwas Wichtiges zu tun, so wie es Geschäftsleute machen. Dabei hält sich der Schriftsteller auch an feste Bürozeiten, denn: «Je eher ich fertig bin, desto eher kann ich ins Kino gehen.»
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