(21.05.2012)
06.05.2009 17:25
Berlin - Fünf Ehemänner hat sie schon unter die Erde gebracht. Der sechste liegt im Sterben. Doch Oma Otti gibt nicht auf.
Beim Blumengießen auf dem Friedhof verliebt sie sich in den Kommunisten Klaus. Doch dann wird dessen Rivale, der Alt-Nazi Fisch- Winkler, tot aufgefunden - ein Mord, der das Leben der Bewohner am Boxhagener Platz im Osten Berlins schlagartig verändert. Noch bis Samstag wird der Film «Boxhagener Platz» in den «Sonnenallee»- Kulissen in Potsdam-Babelsberg gedreht. Mit dabei sind der 14 Jahre alte Samuel Schneider in der Hauptrolle sowie Gudrun Ritter, Jürgen Vogel, Meret Becker, Horst Krause und Michael Gwisdek. Im März 2010 soll die Tragikomödie in die Kinos kommen.
Der Regisseur Matti Geschonneck («Die Nachrichten»), Sohn des Schauspielers Erwin Geschonneck, hat sich des gleichnamigen Romandebüts von Torsten Schulz angenommen. Er kennt den Kiez aus dem Roman genau. Schließlich verbrachte er - wie auch der Dramaturgieprofessor Schulz - einen Großteil seiner Kindheit am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Drehen konnte er dort aber nicht. Denn die fiktionale Familiengeschichte spielt im Jahr 1968. Seit der Wiedervereinigung hat sich das einstige graue Arbeiterviertel zu stark verändert. Für Geschonneck ist der Boxhagener Platz auch mehr «ein Synonym für eine Zeit und für einen Ost-Berliner Kiez» als ein realer Ort.
Wird «Boxhagener Platz» also der nächste Ostalgie-Film? Gedreht wird auch in dem leicht umgebauten Straßenzug aus «Sonnenallee». Erzählt wird die skurrile Geschichte zudem aus der Sicht eines zwölfjährigen Jungen. «Ich will nicht verklären oder ostalgisch sein», erklärt Schulz, der auch das Drehbuch schrieb, «aber ich habe eben in der DDR gelebt». Regisseur Geschonneck sagt, das Thema DDR sei zweitrangig.
Im Gegensatz zu anderen Filmen über den sozialistischen Staat wie etwa «Das Leben der Anderen» sei «Boxhagener Platz» «authentischer» und «vielschichtiger», erklärt Gwisdek. «Die meisten denken ja, DDR war einfach nur Stasi und Stasi und Stasi.» Das ist für den Schauspieler aus Ost-Berlin allerdings «Quatsch». Denn die DDR sei auch ein Experiment für eine bessere Gesellschaft gewesen. Dieses sei zwar gescheitert, dennoch müsse es aber möglich sein, positiv über die eigene Vergangenheit zu reden. «Ich habe innerhalb der DDR gelernt, wie man Liebe macht - da war die Stasi nicht dabei», sagt Gwisdek.
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