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Regisseurin Maren Ade über Unsicherheit und Stress

18.06.2009 10:21

Berlin - Für ihren Film «Alle Anderen» hat die Regisseurin Maren Ade bei der Berlinale im vergangenen Februar einen Silbernen Bären gewonnen. Ihre Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr wurde für ihre herausragende Leistung als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Regisseurin Maren Ade über Unsicherheit und Stress

Die deutsche Regisseurin Maren Ade holte mit dem Film «Alle anderen» zwei Silberne Bären.

So leicht wie der Film an vielen Stellen daher kommt, waren die Dreharbeiten allerdings nicht, wie Ade («Der Wald vor lauter Bäumen») in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin erzählte. «Es geht dabei ja auch um die richtigen Subtexte, damit es sich nachher richtig zusammensetzt. Deswegen habe ich auf viele Sachen bestanden - und trotzdem mussten die Schauspieler das mit ihrer Intuition verbinden», sagte sie. Mit dpa sprach die 32-Jährige außerdem über moderne Frauen, Beziehungen und ihre Art Drehbücher zu schreiben.

Warum haben Sie den Titel «Alle Anderen» gewählt? Spielt er auf die Idee an, die viele Paare haben: «Wir sind anders als alle anderen?»

Ade: «Ja, so habe ich mir das auch gedacht. Ich finde interessant, dass in dem Titel eine Abgrenzung steckt. Es hat ja etwas von "Wir und alle anderen". Man weiß, man will nicht sein, wie alle anderen, man will sich nicht damit beschäftigen, wie die anderen sind - und trotzdem tut man es. Was ich auch erzählen wollte, ist nicht, dass das andere Paar, auf das Gitti und Chris treffen, toller ist. Es ist einfach anders. Und das Schlimme ist, dass das reicht. Gitti und Chris fangen an, sich mit denen zu vergleichen. Sie fangen an, die Lebensmodelle, die sie haben, zu vergleichen - und werden dadurch unglücklich.»

Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Birgit Minichmayr und Lars Eidinger wirkt sehr natürlich. Ist das einfach Glück oder haben Sie sich das erarbeitet?

Ade: «Das ist eine Mischung. Vieles ist wirklich richtige Detailarbeit, anstrengende Schauspielarbeit, damit das so wirkt. Dann gibt es aber auch wieder andere Szenen, wo ich das mehr habe laufen lassen, so dass die Schauspieler einem eigenen Rhythmus folgen können. Das heißt, es gibt eben Szenen, wo das Natürliche einfach da ist, wo das Zusammenspiel spontan entsteht. Oder aber es dauert und man muss es sich länger erarbeiten.»

Die Figur der Gitti wirkt sehr selbstbewusst - und doch fühlt sie sich im Vergleich mit alten Rollenklischees sehr unsicher. Ist das das Problem moderner Frauen?

Ade: «Was mich interessiert hat an Gittis Figur, ist, dass, obwohl sie eine selbstbewusste, lebenslustige und auch relativ dominante Frau ist, sie trotzdem so schnell in so große Unsicherheit gerät. Sie fängt an, sich Chris anzupassen - auch, weil die Begegnung mit der anderen Frau, Sana, sie nicht ganz kalt gelassen hat. Gitti verfolgt vielleicht eine Sehnsucht, so zu sein wie Sana, weil sie denkt, dass das gesellschaftlich richtiger ist. Ich will gar nicht sagen, dass das ein genereller Konflikt ist, aber das kann durchaus ein Konflikt sein. Ich kenne ihn auf jeden Fall selbst, aber nicht in dieser Konzentration.»

Trotz der dramatischen Elemente ist Humor im Film sehr wichtig, es wird viel gelacht. Wieso haben Sie sich entschieden, ein ernstes Beziehungsthema so humorvoll anzugehen?

Ade: «Humor ist für mich privat sehr wichtig, sowohl in der Beziehung als auch beim Arbeiten. Bei meiner Recherche habe ich daher andere Paare gebeten, mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dabei habe ich herausgefunden, dass jedes Paar seine eigenen Rituale, aber auch seinen eigenen Humor hat. Das war ein Bereich, der mich schon lange interessiert hat, jetzt konnte ich es in einem Film verarbeiten.»

Wie gehen Sie an das Schreiben eines solchen Drehbuchs heran?

Ade: «Ich habe dabei immer zwei Phasen und versuche, sie voneinander zu trennen. Das erste ist die Phase, wo ich freier schreibe. Dann denke ich bei einer Szene auch nicht ständig daran, wo sie am Ende am besten hinpasst. Es gibt aber auch Phasen, wo ich viel analysiere, mich um den Aufbau der Geschichte kümmere und versuche, dem Ganzen Herr zu werden. Das sind die Momente, wo ich zwischen Karteikarten sitze und alles durchdenke. Da quäle ich mich manchmal richtig durch, das ist harte Arbeit.»

Interview: Aliki Nassoufis, dpa

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