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«Bad Lieutenant»: Werner Herzog am Lido

04.09.2009 17:43

Venedig - Weit mehr als 40 Filme hat der deutsche Regisseur Werner Herzog gedreht, doch der amerikanische Star Nicolas Cage fehlte bislang in der Riege seiner Hauptdarsteller.

«Bad Lieutenant»: Werner Herzog am Lido

Der Regisseur und seine Stars: Werner Herzog mit Eva Mendes und Nicolas Cage.

Diese Lücke in ihrer Karriere wollten beide schließen und arbeiteten gemeinsam an dem gut zweistündigen amerikanischen Cop-Drama «Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans», der am Freitag in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen von Venedig ging. Herzog stellt Cage in dem turbulenten Krimi als aufstrebenden Polizisten ins grelle Licht, der fast so kriminell ist wie all jene Gangster, die er fanatisch jagt. Beifall gab es am Lido vor allem für diesen «schlimmen Finger» Cage, der Drogenbosse im Visier hat. «Bad Lieutenant» läuft am 14. Januar 2010 in den deutschen Kinos an.

«New Orleans nach dem Hurrikan Katrina schien für uns der richtige Platz für diesen "film noir"», sagte der 67-jährige Münchner Herzog, der nach etlichen anderen Filmen auch «Bad Lieutenant» auf Englisch gedreht hat. Umrahmt von Cage und Eva Mendes erklärte Herzog der Filmpresse nach diesem düsteren Drogenfilm: «Ich liebe die Kultur der Drogen nicht». Cage, der in dem Film auch Drogen klaut und erpresst, sprach lediglich vage von «Erinnerungen» daran aus vergangener Zeit. Herzog dementierte erneut, dass sein Film ein Remake eines Streifens des New Yorkers Abdel Ferrara sei: «Den Film hab ich nicht gesehen.»

Der Mitbegründer des deutschen Autorenfilms, in früheren Jahren vor allem auch auf Klaus Kinski als Star in seinen Werken geeicht («Fitzcarraldo», «Aguirre, der Zorn Gottes»), schickt mit «Bad Lieutenant» einen der sechs US-Filme in den Wettbewerb um Venedigs Löwen. Für den Kosmopoliten aus München ist das kein Problem. Italienische Medien feierten Herzog schon vor der «Kirmes in Venedig», wie manche das Festival spöttisch nennen, als «Freigeist».

Terence (Cage), wird in «Bad Lieutenant» gleich zweimal befördert. Ganz am Anfang, als er in dem von «Katrina» verwüsteten New Orleans einen Mann vor dem Ertrinken rettet, widerwillig, aber immerhin. Und am Ende, weil er die mordende Drogenbande zur Strecke gebracht hat. In der langen Zeit dazwischen ist Terence ständig auf der Suche nach Drogen und verbotenen Medikamenten. Brillant als Cop, korrupt bis ins Mark, drogenabhängig und sexbesessen - allein seine Freundin Frankie (Eva Mendes), die ebenfalls auf Kokain stehende Edelnutte, bringt da etwas Linderung. Cage hat es ganz offensichtlich Spaß gemacht, diese Rolle glänzend zu meistern. Er gerät in in eine Schießerei zwischen zwei Banden - mit beiden ist er im Geschäft, er braucht Geld. Doch so wie im Märchen lösen sich alle seine Probleme in Wohlgefallen auf.

Von einem Wunder anderer Art berichtet die österreichische Filmemacherin Jessica Hausner, die mit «Lourdes» um die Preise von Venedig kämpft. Die 37-jährige Wienerin («Lovely Rita», «Hotel») geht dem Phänomen Lourdes nach: Die weltbekannte Marienwallfahrtsstätte in den südwestfranzösischen Pyrenäen zieht jährlich mehr als eine Million Pilger an, darunter massenhaft Todkranke und Behinderte, die auf eine wundersame Heilung hoffen. Was es mit den berichteten Wundern durch das Quellwasser auf sich hat, das will die Regisseurin wissen.

Der von ZDF und Arte mitproduzierte Film (Bundesstart Februar 2010) erzählt in ruhigen Einstellungen von der an den Rollstuhl gefesselten Christine (Sylvie Testud), die anfangs skeptisch ist, nicht ganz an Wunder zu glauben scheint, dann zum Star ihrer Gruppe der angereisten Kranken und Gebrechlichen wird: Unter den Augen eines von ihr heiß verehrten Malteser-Helfers (Bruno Todeschini) beginnt sie zu laufen, zieht Bewunderung und sofort auch Neid auf sich. Der stille Film, für Hausner «eine grausame Erzählung, ein Tagtraum oder eine Nachtmahr» geht auch der Frage nach, warum der eine geheilt zu werden scheint und der andere weiter leiden muss - doch auch ein Kirchenmann hat da nur eine Antwort parat: Gott ist eben frei in seinen Entscheidungen.

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