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Philipp Stölzl dreht «Goethe!» in Görlitz

16.09.2009 16:15

Görlitz - Jackie Chan schwebte hier an einem Seil über den Platz vor dem Rathaus, Kate Winslet verführte in einer Gründerzeit-Wohnung den Nachbarsjungen, Quentin Tarantino scheuchte Daniel Brühl vor der Kamera hin und her.

Philipp Stölzl dreht «Goethe!» in Görlitz

Philipp Stölzl wandelt auf Goethes Spuren.

Die deutsch-polnische Grenzstadt Görlitz in Sachsen ist längst kein Geheimtipp mehr für Filmemacher aus Hollywood. Nach Einstein, Beethoven, dem Papst, dem Vorleser und den Inglourious Basterds geistert nun Alexander Fehling («Buddenbrooks») als junger Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) durch die historische Altstadt, die als größtes Flächendenkmal Deutschlands gilt.

Der Kinofilm «Goethe!» erzählt von einer unerfüllten Liebe des späteren Nationaldichters, der nach einer nichtbestandenen Jura-Prüfung nach Wetzlar ans Reichskammergericht kommt. Der Streifen von Regisseur Philipp Stölzl («Nordwand») soll 2010 ins Kino kommen. Darin verliebt sich der junge Goethe in Lotte, die jedoch mit seinem strengen Vorgesetzten Kestner - gespielt von Moritz Bleibtreu («Soul Kitchen») - verlobt ist. Die Amour, die der verzweifelte Goethe zu Papier bringt, wird berühmt und zum Klassiker aus der Feder des Dichterfürsten.

In dem Briefroman «Die Leiden des jungen Werthers» berichtet der junge Rechtspraktikant bis zu seinem Freitod über seine unglückliche Liaison mit einem bereits verlobten Mädchen. Die Handlung beschreibt autobiografisch die platonische Beziehung zu Charlotte Buff, in die sich der Praktikant Goethe 1772 in Wetzlar verliebte. Die Erstausgabe erschien im Herbst 1774 zur Leipziger Buchmesse, wurde gleich zum Bestseller und machte den Autor über Nacht in Deutschland berühmt.

Als «Die Leiden des jungen Werthers» erschienen, rissen sich die Leute um das Werk, erzählt Produzent Peter Hartwig («Wolke 9», «12 heißt: Ich liebe Dich»). Das Haus am Görlitzer Untermarkt, aus dem Chan 2003 beim Dreh für «In 80 Tagen um die Welt» halsbrecherisch flüchtete, ist nun ein Buchladen im Frankfurt des 18. Jahrhunderts. Vor dem Geschäft drängen sich Frauen in langen Kleidern, mit Hauben und Hüten, sowie Männer in Gehröcken und mit Perücken auf dem Kopf. Drinnen kommt es zum Tumult, als die ersten Exemplare des «Werthers» zur Neige gehen. Jungdichter und sein Vater - gespielt von Henry Hübchen («Alles auf Zucker») - fahren zufrieden in ihrer Kutsche vor.

Ringsumher haben Kulissenbauer mit Holz, Farbe und Kunstfertigkeit gegenüber der historischen Laubengänge eine Häuserfassade gezaubert, die mit kleinem Brunnen an der Wand täuschend echt wie im 18. Jahrhundert wirkt. Sogar das Kopfsteinpflaster verschwand unter Planen, Sand und Erde. «Damals gab es weder Kanalisation noch Müllabfuhr, sondern einfach nur Dreck», sagt Filmproduzent Hartwig. Er schwärmt von der «tollen Substanz», die er in der Stadt an der Grenze zu Polen vorfinde: Original erhaltene Häuser aus Gotik, Renaissance und Barock, Arkaden und enge Gassen, die die Altstadt zu einem einzigartig geschlossenen Ensemble machten.

«Eine solche Außenkulisse könnte man im Studio nur mit richtig viel Geld bauen», sagt Hartwig. Auch deshalb wird die Stadt als Drehort sehr geschätzt. Für das ZDF etwa drehte dort schon Regisseur Gero von Böhm Geschichten um Einstein, Beethoven und Papst Johannes Paul II. - mit Maximilian Schell und Michael Mendl. Nun ist der Deutschen Klassiker Goethe dran - seit dem 25. August wurde bereits unter anderem im verträumten Wasserschloss Tauchritz am Berzdorfer See südlich von Görlitz gedreht.

Rund 450 Komparsen aus der Region dürfen in verschiedenen Szenen mitspielen und zahlreiche Firmen profitieren von Aufträgen des etwa 100-köpfigen Filmteams, das noch bis Ende Oktober hier arbeitet. Die Holzstände für ein emsiges Markttreiben, das Ende dieser Woche auf Zelluloid gebannt werden soll, stehen schon bereit: Dann wird sich das beschauliche Görlitz ins spätbarocke Straßburg (Frankreich) verwandeln, wo Goethe einst Jura studierte.

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