(21.05.2012)
20.09.2009 15:34
Toronto - Das Toronto Filmfestival als Oscar-Indikator: Ein Jahr nach «Slumdog Millionär» hat das ebenso bedrückende wie inspirierende Gesellschaftsdrama «Precious» den großen Preis von Toronto gewonnen.
Der in Mumbai gedrehte «Slumdog Millionär» war quasi aus dem Nichts aufgetaucht, setzte sich nach Toronto aber bei fast allen Preisverleihungen durch und endete seinen Siegeszug mit acht Oscars. Vor ihm hatten auch Sam Mendes bittersüße Amerika-Satire «American Beauty» (1999) und das britische Sportlerdrama «Die Stunde des Siegers» (1980) schon ihren Triumph vom kanadischen Filmfestival bei der Oscar-Verleihung wiederholt.
«Precious» hatte schon beim Sundance Filmfest in Park City (Utah) abgeräumt, wo der Film unter dem Titel «Push» nach dem gleichnamigen Roman von Sapphire vorgestellt wurde. Auch in Cannes wurde das von Oprah Winfrey produzierte und dem US-Regisseur Lee Daniels gedrehte Drama mit großem Beifall aufgenommen. In Toronto erhielt es am Samstagabend, wenige Stunde vor dem letzten Vorhang des zehntägigen Filmfests, den mit 15 000 kanadischen Dollar (9 500 Euro) dotierten Publikumspreis.
«Precious» ist die Geschichte einer fettleibigen 16-Jährigen im New Yorker Schwarzenviertel Harlem, die - vom Vater geschwängert und von der Mutter geprügelt - der häuslichen Gewalt und dem Elend in ihrer Umgebung zu entkommen versucht. In der Hauptrolle debütiert die junge Schauspielerin Gabourey Sidibe. Die tyrannische Mutter wird von der Komödiantin Mo'nique gespielt - eine Darbietung, die Aussicht auf eine Oscar-Nominierung haben dürfte. Mariah Carey und Lenny Kravitz treten in Nebenrollen auf.
Deutschland war in Toronto mit 36 Filmen vertreten. Das mit Abstand größte Echo verschaffte sich Werner Herzog mit seinem «Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans» über einen Detektiv im Drogen-Delirium. Kritiker lobten den Film überschwänglich als Herzogs bestes Werk seit Jahren oder Jahrzehnten und verglichen die schauspielerische Leistung, die er seinem Hauptdarsteller Nicolas Cage entlockt, mit der von Klaus Kinski. Dagegen fand Herzog mit seinem zweiten Neuling, «My Son, My Son, What Have Ye Done», wenig Beachtung bei dem Festival.
Der Hamburger Regisseur Fatih Akin stellte mit «Soul Kitchen» seinen ersten «Heimatfilm» vor. Nachdem er sein Können mit Dramen wie «Gegen die Wand» und «Auf der anderen Seite» bewiesen hatte, setzte er diesmal auf eine reine Komödie.
George Clooney präsentierte sich in Toronto live mit zwei neuen Filmen, von denen jedoch nur «Up in the Air» von Regisseur Jason Reitman («Juno», «Thank You for Smoking») mit lang anhaltendem Beifall begrüßt wurde. Die Komödie, die am Ende mehr als Tragödie anmutet, zeigt Clooney als Vielflieger, der kreuz und quer über den nordamerikanischen Kontinent jettet, um Mitarbeiter zu feuern. Dem Los seiner arbeitslosen Landsleute widmete sich auch der provokative Filmemacher Michael Moore in seinem neuen Streifen «Capitalism: A Love Story».
Insgesamt stellte das zehntägige Festival in der kanadischen Wirtschaftsmetropole bis in die Nacht zum Sonntag 335 neue Filme aus 65 Ländern vor. «Die besten Filme kommen aus Toronto», begeisterte sich die Hollywoodschauspielerin Jennifer Garner. «Kein anderes Filmfest eignet sich so wie Toronto, auf neue Filme aufmerksam zu machen», meinte auch Amerikas Talkshow-Queen Oprah Winfrey. Zur «Star Power» des diesjährigen Festivals trugen außer Garner, Winfrey und Clooney auch Matt Damon, Julianne Moore, Penélope Cruz und Nicolas Cage bei.
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