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60. Geburtstag der Deutschen Wochenschau

20.11.2009 11:46

Berlin - Es war einmal eine Zeit, da war man «hochaktuell», wenn das Ereignis eine Woche später auf der Kinoleinwand zu sehen war - mit Hilfe der «rasenden Reporter» der Deutschen Wochenschau. «Hoffentlich reicht der Film in der Kassette», war dabei die Hauptsorge der Kameramänner.

60. Geburtstag der Deutschen Wochenschau

Das Archiv der Deutschen Wochenschau umfasst heute etwa zwölf Millionen Filmmeter aus der Zeit von 1945 bis in die 90er Jahre.

Diese regelmäßige filmische Chronik der tagesaktuellen Ereignisse gehörte als «Neue Deutsche Wochenschau» oder Ufa-Wochenschau zusammen mit ihren Konkurrenten wie der «Fox Tönenden Wochenschau» jahrzehntelang im westlichen Nachkriegsdeutschland (wie der «Augenzeuge» in der DDR) zum festen Programmablauf eines jeden Kinobesuchs, zu der auch der unvermeidliche «Kulturfilm» gehörte.

Vor 60 Jahren, am 8. Dezember 1949, wurde in Hamburg die Deutsche Wochenschau GmbH gegründet, am Donnerstagabend gab es in Berlin die Geburtstagsfeier für die «verblichene ältere Dame», die Ende der 70er Jahre dem aktuelleren Fernsehen den Platz räumen musste. Sogar einige der damaligen Mitarbeiter waren gekommen, aber auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann oder Berlinale-Chef Dieter Kosslick, Reinhold Beckmann und Klaus Bölling. Für Neumann haben die Wochenschauen auch «deutsche Kulturgeschichte» geschrieben, ihre Archivbestände seien «eine Art Familienalbum der Bundesrepublik». Kosslick hat an dem Abend seine eigenen Kinoträume, er schwärmt davon, dass «Kino wieder zelebriert werden muss, als Gemeinschaftserlebnis auf der großen Leinwand», aber von 3-D im Kino hält er weniger - «das ganze Leben ist doch sowieso 3-D».

Unter den Klängen der «Nachkriegsschnulzen» wie die Capri-Fischer oder «Ganz Paris träumt von der Liebe» moderierte Astrid Frohloff eine filmische Zeitreise durch jene Jahrzehnte mit den Ereignissen, «die die Menschen damals bewegten und die die Wochenschau begleitet hat». Viele Bilder haben sich längst eingebrannt in das kollektive Gedächtnis der Deutschen, die auch im 60. Jahr der Bundesrepublik immer wieder eine Rolle spielten.

Da sind die bewegenden Bilder von der Heimkehr deutscher Kriegsgefangenen aus Russland («Wir haben zehn Jahre nicht geweint, aber heute weinen wir darüber, dass es soviel Liebe gibt, die uns entgegengebracht wird»). Da rollt der millionste Volkswagen vom Band, als die Motorisierung in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte. Da springt der ostdeutsche Grenzsoldat in voller Ausrüstung über den Stacheldraht mitten in Berlin in die Freiheit. Und da werden die Rock'n'Roll-Stars Elvis Presley und Peter Kraus unter die kritisch-ironische filmische Lupe genommen - «der Veitstanz des 20. Jahrhunderts, für den es keine Medizin gibt, sondern nur den Wunsch: baldige Genesung!» Und da himmelt ein Udo Lindenberg in den 70er Jahren sein «Mädchen in Ost-Berlin» an und US-Präsident Ronald Reagan ruft vor dem zugemauerten Brandenburger Tor seinem sowjetischen Kollegen zu: «Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor, reißen Sie diese Mauer ein!»

Der Geschäftsführer der heute für die vom Bundesarchiv betreuten Wochenschaufilme zuständigen Hamburger Firma Cinecentrum, Ulrich Lenze, erinnerte sich an seine Jugend, «als die Mutter beim Einkaufen die Kinder in sogenannten "aki"-Kinos - "Aktualitäten-Kino" - abgab, in der die Wochenschauen zusammen mit den beliebten Trickfilmen in Endlosschleifen liefen» und man so lange drin bleiben konnte wie man wollte, wenn man etwas schummelte. Er zitiert auch einen Ausspruch des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger aus den 60er Jahren über die Wochenschau, der sie «ein emotionales Wechselbad zwischen Idylle und Detonation» nannte - «oder meinte er das heutige Fernsehen?» hakt Lenze nach.

Lenze verrät auch ein bemerkenswertes Detail aus dem Alltag des Kalten Krieges zwischen West und Ost mit den eigentlich erbittert konkurrierenden westlichen Wochenschauen und dem DDR-«Augenzeugen»: Man traf sich vertraulich jahrelang regelmäßig in der West-Berliner Kurfürstenstraße und zeigte sich gegenseitig das interessanteste Filmmaterial, das auch ausgetauscht wurde, «mit dem dann allerdings recht freizügig im Propagandakrieg umgegangen wurde». Aber von Nostalgie ist bei alledem dennoch keine Rede mehr. Im kommenden Jahr steht die große Investition für die Zukunft an, die zwölf Millionen Filmmeter mit 7000 Stunden aus den Jahren von 1945 bis 1977 sind dann nicht nur für Recherchezwecke online einsehbar, sondern können dann vom Lizenznehmer in Sendequalität auch direkt aus dem Internet heruntergeladen werden.

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