(21.05.2012)
15.02.2010 12:07
Berlin - Regisseur Matti Geschonneck (57), Sohn des 2008 mit 101 Jahren verstorbenen Schauspielstars Erwin Geschonneck, stellt an diesem Dienstagabend in einer Berlinale-Special-Gala im Berliner Friedrichstadtpalast seinen neuen Spielfilm «Boxhagener Platz» vor.
Die mit Gudrun Ritter, Michael Gwisdek, Meret Becker und Jürgen Vogel hochkarätig besetzte Tragikomödie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Torsten Schulz, der auch gemeinsam mit Geschonneck das Drehbuch schrieb. Schauplatz der Familiengeschichte ist der Boxhagener Platz in Ost-Berlin im Jahr 1968.
Warum hat es Sie gereizt, den 2004 erschienenen Bestseller «Boxhagener Platz» zu verfilmen?
Geschonneck: «Ich konnte endlich machen, was ich schon lange machen wollte: einen Berliner Heimatfilm, eine Liebeserklärung an die Stadt und ihre Menschen. Nach "Die Nachrichten" vor fünf Jahren ist das erst mein zweiter Berlin-Film. Aber da ist noch mehr: Der Stoff bietet Schauspielern wunderbare Möglichkeiten. Und nicht zuletzt hat es mich gereizt, mit lautem und mit leisem Lachen und mit Nachdenklichkeit auf die DDR zurück zu blicken.»
Kenner des DEFA-Films haben, was Ihren Erzählstil zwischen Lachen und Melancholie betrifft, sofort Assoziationen zu Spielfilmen aus der DDR, wie zum Beispiel «Die Legende von Paul und Paula» oder «Solo Sunny». Haben Sie sich am DEFA-Stil orientiert?
Geschonneck: «Sicherlich habe ich mich beeinflussen lassen. Nach dem Tod meines Vaters habe ich mir viele DEFA-Filme und auch sowjetische angesehen, ich habe ja in Moskau studiert. Einige dieser Filme habe ich auch Mitgliedern des Teams empfohlen, zum Beispiel der Maskenbildnerin, der Kostümbildnerin, dem Kameramann, auch den Schauspielern. Da wir eine Geschichte aus der DDR der 60er Jahre erzählen, soll der Film natürlich so authentisch wie möglich wirken. Ich finde, es gibt zu viele Filme über die DDR, die nur dumme Klischees bedienen. Das wollten wir nicht. Wie wir aber auch auf keinen Fall sentimentale Ostalgie aufkommen lassen wollten!»
Der Blick zurück dient in der Kunst immer der Gegenwart. Worauf wollen Sie den Blick des Publikums lenken?
Geschonneck: «Die Vergangenheit war mal Gegenwart. Jetzt ist sie versunkene Lebenszeit. Wenn wir ein paar Menschen, die sich vielleicht noch nie damit befasst haben, dazu bringen, sich ein bisschen mit der Realität der DDR zu beschäftigen, wäre das schon sehr viel. Vor allem aber möchte ich berühren. Es geht ja letztlich um Zeitloses, wie um die Wahrung der Würde, um jetzt mal ein ganz großes Wort zu benutzen. Gudrun Ritter als lebenskluge und eigensinnige Oma Otti oder Michael Gwisdek als verwegener revolutionärer Abenteurer Karl oder Meret Becker als lebenshungrige junge Mutter zeigen das alltägliche Ringen darum herrlich komödiantisch, mit Tiefe und mit Wärme. Wie kann der Einzelne seine Würde bewahren - das war gestern aktuell, ist es heute, und wird es morgen sein. Es geht um die Vermittlung von Lebenserfahrung, mit einem Film, der ein Drama erzählt, eine Komödie, der auch ein wenig ein Märchen ist, eben ein Berliner Heimatfilm. Wir hoffen, dass wir damit den Nerv eines großen Publikums treffen.»
Interview: Peter Claus, dpa
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