(12.07.2010)
19.02.2010 14:28
Berlin - Schauspielerin Barbara Sukowa (60, «Rosa Luxemburg», «Die Entdeckung der Currywurst») sitzt in der diesjährigen Berlinale-Jury von Amnesty International.
Am Samstag wird der mit 5000 Euro dotierte Menschenrechtsfilmpreis an einen Beitrag aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama und Forum vergeben. Die Deutsche Presse-Agentur dpa sprach mit Sukowa über ihr Verhältnis zur Berlinale, gute Filme und Rollenangebote für Frauen mit 60.
Welche Bedeutung hat die Berlinale für Sie?
Barbara Sukowa: «Bisher hatte die Berlinale keine so wahnsinnig große Bedeutung für mich. Ich bin da eigentlich nie wirklich eingeladen worden. Ich glaube, ich hatte einmal einen Film in der Berlinale. Ich finde es aber toll, dass es das Festival gibt und dass so ein internationales Publikum nach Berlin kommt.»
Was macht für Sie einen guten Film aus?
Barbara Sukowa: «Er muss etwas erzählen, das mich berührt. Und es sollte ihm gelingen, seine Geschichte mit den passenden filmischen Mitteln umzusetzen. Ich gucke natürlich persönlich auch immer viel auf Schauspieler. Eine großartige Leistung, die ich in letzter Zeit gesehen habe, war die von Helen Mirren in «Ein russischer Sommer». In dem Film hätte ich auch gern mitgespielt. Neid empfinde ich aber nicht. Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn ich talentierte und tolle Schauspielerinnen sehe.»
Sie sind kürzlich 60 geworden. Viele Schauspielerinnen in Ihrem Alter beschweren sich, keine attraktiven Rollenangebote mehr zu bekommen. Wie ist das bei Ihnen?
Barbara Sukowa: «Wenn ich zu alt für eine Rolle bin, dann will ich die auch nicht spielen. Ich möchte niemanden darstellen, der erst 40 ist - da müsste ich mich ja furchtbar quälen. Es liegt, glaube ich, in der Natur des Kinos, dass mit 60 die Rollenangebote etwas spärlicher werden. Klar: Mit Mitte 30, wenn man mitten im Leben steht mit Liebe und Beruf und so, da gibt es natürlich mehr Stoffe. In letzter Zeit habe ich aber das Gefühl, dass es wieder ein erwachsenes Publikum gibt. Meine Generation, deren Kinder jetzt aus dem Haus sind, hat heute wieder Lust, ins Kino zu gehen. Die wollen dann vor allem erwachsene Themen sehen. Insofern könnte es ganz gut sein, dass auch wieder Rollen kommen. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren.»
Sie leben seit fast 20 Jahren in New York, haben aber noch eine Wohnung in Berlin. Nehmen Sie Veränderungen in Deutschland aus der Distanz anders wahr?
Barbara Sukowa: «Man hört jetzt in Deutschland viel mehr andere Sprachen als vor 20 Jahren. Das Straßenbild ist bunter und dem von New York ähnlicher geworden. Insgesamt sind die Leute in Deutschland lockerer geworden. Man merkt schon die globale Vernetzung. Besonders die jungen Leute gleichen immer mehr denen in den USA. Ich selbst fühle mich an beiden Orten - Berlin und New York - gleichzeitig zu Hause und nicht zu Hause. Ich bin etwas zerrissen und stehe irgendwie dazwischen. Manchmal empfinde ich es als sehr angenehm, so einen Abstand zu haben und Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Manchmal fühle ich mich aber auch ein bisschen heimatlos.»
Interview: Christine Cornelius, dpa
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