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Jury-Präsident Burton ist längst «burtonesque»

11.05.2010 11:56

Hamburg/Cannes - Tim Burton ist der Mann fürs Fantastische, für Grusel und für Visionen. Kaum ein anderer Filmemacher hat in seinen Werken jedes einzelne Genre immer wieder neu erfunden.

Jury-Präsident Burton ist längst «burtonesque»

Tim Burton ist Jury-Präsident in Cannes.

Die filmische Biografie wie in «Ed Wood» (1994) mit dem er 1995 in Cannes um die Goldene Palme konkurrierte, Science Fiction («Mars Attacks!», 1997 und «Planet der Affen», 2001), Comicverfilmungen wie «Batman» und jegliche Formen von Fantasy und Märchenwelt wie zuletzt in «Alice im Wunderland» (2010). Angesichts seines unverwechselbaren Stils ist sein Name bereits zu einem Adjektiv geworden: burtonesque. Nun ist der 51-jährige Amerikaner der erste Jury-Präsident in Cannes, der seine Karriere als Trickfilmer begann.

Seine Passion entdeckte Burton schon als Kind. Aufgewachsen in einer typischen kalifornischen Vorstadt entwickelte er wohl schnell einen Blick für die Merkwürdigkeiten in der scheinbaren Idylle. Bereits mit etwa zehn Jahren drehte er seinen ersten Horrorfilm. Darin erweckte er Weihnachtsbäume zum Leben, um sie dann in Monster zu verwandeln. Dem Grusel blieb er bis heute treu: «Monster sind definitiv mein Ding», sagte Burton einmal.

Nach der High School studierte der am 25. August 1958 in Kalifornien geborene Burton mit einem Disney-Stipendium drei Jahre am California Institute of Arts in Valencia. Seine Lehrzeit verbrachte er als Trickfilmzeichner in den weltbekannten Walt-Disney-Studios.

Mit seinem zweiten Spielfilm «Beetlejuice» (1988) gelang Burton der internationale Durchbruch. 1989 engagierte ihn Warner Bros. für «Batman» mit Jack Nicholson als Joker. Der Film überzeugte vor allem mit seinen visuellen Effekten. Fortan widmete sich Burton ganz seinen teils abstrusen Geschichten und stets fantastischen Projekten. «Edward mit den Scherenhänden» (1990) brachte auch Johnny Depp als Star in die erste Reihe.

1993 folgte der Trickfilm «Nightmare Before Christmas», 1996 «Mars Attacks!», danach «Sleepy Hollow» und «Planet der Affen» - alles weltweite Blockbuster. Dabei entwickelte er seinen «burtonesquen» Stil: Seine Filme sind schräg, schrill, meist komisch und mit morbiden Akzenten, die Charaktere stammen aus der Comic- oder Märchenwelt, oftmals inspiriert vom deutschen Expressionismus.

Mit «Alice im Wunderland» schaffte Burton, der nicht nur Filmemacher, sondern auch Illustrator, Maler und Fotograf ist, zuletzt wieder einen schaurig-schönen Film mit wuchtigen Bildern und einer gelungenen Kombination von Schauspiel und Animation. Mit dabei auch wieder Johnny Depp als verrückter Hutmacher und Burtons Partnerin Helena Bonham Carter, mit der der Filmemacher eine Tochter hat.

In Cannes wird sich Burton nun tagelang Filme aus der ganzen Welt ansehen und sie beurteilen. «Wenn ich an Cannes denke, denke ich an Weltkino. Und weil Filme für mich immer wie Träume waren, ist dies nun ein Traum, der in Erfüllung geht», hatte Burton bei seiner Ernennung gesagt. Und Festival-Präsident Gilles Jacob gab die Parole aus: «Wir hoffen, dass Burtons süße Verrücktheit und sein düsterer Humor die Croisette durchfluten wird. Er wird allen Weihnachten bringen, Weihnachten und Halloween.»

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