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Filmfest München trifft Nerv der Zeit

27.06.2010 13:25

München - Oft übertrifft die Wirklichkeit die kühnste Fiktion. Armut, Einsamkeit und Grausamkeiten - und immer wieder die Finanzkrise, die vielen die Lebensgrundlage entzogen hat - aus diesem Fundus bedienen sich viele Filmemacher.

Filmfest München trifft Nerv der Zeit

Meira Durand («Hier kommt Lola») freut sich über ihren «Weißen Elefanten».

So trifft das 28. Filmfest München, das am Freitagabend eröffnet wurde, mit seiner Auswahl den Nerv der Zeit. «Viele Filme handeln von den unmenschlichen Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise», beschreibt Festivalleiter Andreas Ströhl. Doch viele Filmemacher schildern das alltägliche Elend humorvoll und mit einem Funken Hoffnung.

Mitten ins Herz der Finanzwelt trifft der Streifen «Cleveland versus Wall Street» des Schweizers Jean-Stéphane Bron, der am 3. Juli zum Abschluss des Festivals seine Deutschlandpremiere feiert. Er greift darin einen Prozess auf, mit dem die Stadt Cleveland 21 Banken für die ruinösen Folgen der Finanzkrise zur Verantwortung ziehen wollte. Im wirklichen Leben scheiterte das Vorhaben. Im Film jedoch finden sich die Vertreter der Stadt und die Banker vor Gericht wieder.

Alexander Adolph schildert die Krise aus deutscher Sicht. In «Der letzte Angestellte» porträtiert er einen Juristen (Christian Berkel), der mit seinem Gewissen ringt. Selber lange arbeitslos hat er einen neuen Job gefunden: Er muss eine Firma liquidieren und die Angestellten entlassen. Als sich eine der Entlassenen umbringt, gerät sein Leben aus den Fugen. Auch Johannes Nabers «Der Albaner» (Premiere am 28. Juni) oder «Transit» (29. Juni) von Philipp Leinemann beschäftigen sich mit den Schattenseiten des Lebens und dem Zwang, das Geld für das tägliche Leben aufzutreiben.

Insgesamt zeigt das Festival 214 Filme aus aller Welt. Zu den Höhepunkten zählen die Premiere der restaurierten Fassung von Rainer Werner Fassbinders Melodram «Ich will doch nur, dass ihr mich liebt» am 2. Juli und die um neue Szenen angereicherte Fassung von Volker Schlöndorffs «Blechtrommel» an diesem Mittwoch. Mit Spannung wird die Premiere des fünfeinhalbstündigen Thrillers «Carlos» über den Terroristen Ilich Ramirez Sánchez am 3. Juli erwartet.

13 Preise werden während des Festivals verliehen, darunter der Ehrenpreis Cine Merit Award an den iranischen Regisseur Abbas Kiarostami und an den dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen. Die ersten Auszeichnungen gab es am Sonntag: Der Kinofilm «Hier kommt Lola» heimste beim Kindermedienpreis Weißer Elefant den Hauptpreis ein. Lola-Darstellerin Meira Durand wurde beste Nachwuchsschauspielerin, während Jonas Hämmerle einen Elefanten für seine Rolle als frecher Wickie bekam.

Einen Publikumsliebling gab es bereits am Eröffnungsabend: Der Auftaktfilm «Me too - Wer will schon normal sein?» aus Spanien erzählt humorvoll von einem jungen Mann mit Down-Syndrom, der sich in eine attraktive Arbeitskollegin verliebt. Ein Bekenntnis an die großen Gefühle, wie auch Regisseur Álvaro Pastor sagte: «Wir haben diesen Film über etwas gemacht, was für uns ganz besonders wichtig ist, und das ist die Liebe.»

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