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«Please Give»: Satire auf verlogene Wohltätigkeit

04.07.2010 13:21

Berlin - Mitleid mit den Armen ist schick. Jedenfalls bei denen, die reich sind. Almosen werden gern gespendet. Doch gegen die gesellschaftliche Schieflage, die erst zu Armut führt, wird nichts unternommen. Dagegen protestiert US-Regisseurin Nicole Holofcener mit «Please Give», einer scharfen Satire auf verlogene Wohltätigkeit.

«Please Give»: Satire auf verlogene Wohltätigkeit

Catherine Keener als Kate und Oliver Platt als Alex in einer Szene des Films "Please give" (undatierte Filmszene).

Im Zentrum der rasanten Geschichte steht das vermögende New Yorker Ehepaar Kate (Catherine Keener) und Alex (Oliver Platt). Sie kaufen Erben für wenig Geld alte Möbel ab und verhökern diese dann zu überhöhten Preisen. Der Profit ist enorm. Davon kauft das Paar das Appartement neben dem schon eigenen. Dort jedoch wohnt die alte Dame Andra (Ann Morgan Guilbert). Sie hat ein lebenslanges Wohnrecht. Kate und Alex respektieren das angeblich. Sie präsentieren sich gern als gute Menschen. Doch die Gier nagt an ihnen.

Nicole Holofcener verbindet viele kleine Geschichten um das Paar - das hier und da mal ein paar Dollar spendet, in Wahrheit aber für Geld über Leichen geht - zu einem Kaleidoskop US-amerikanischen Alltags zwischen naiver Lebenslust, mörderischer Raffsucht und einem Quäntchen Hoffnung auf die Wirkung traditioneller Wertbegriffe wie Anstand und Ehre. Das besondere Interesse Holofcener gilt dabei Kate, die von Catherine Keener brillant als Teufelsweib mit höllisch- engelsgleichem Auftreten verkörpert wird.

Catherine Keener, die sich mit anspruchsvollen Spielfilmen wie «Being John Malkovich» und «Capote» Star-Ruhm erspielt hat, verkörpert die abgrundtief unsympathische Frau mit so vielen Facetten, dass man als Zuschauer nicht anders kann, als ihr - gegen den eigenen Willen - Sympathie entgegen zu bringen. Diese Doppeldeutigkeit ist von großem Reiz. Der entwickelt sich besonders in jenen Szenen, in denen die Verlogenheit von Leuten enthüllt wird, die gern mal einen Geldschein spenden, ansonsten aber kein soziales Gewissen haben.

Brüllende Komik und leise Nachdenklichkeit sind in der mit einigen überraschenden Entwicklungen gespickten Erzählung klug ausbalanciert. Es darf herzhaft gelacht werden. Doch wie bei allen wirklich guten, geistreichen Komödien bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken.

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