(21.05.2012)
23.08.2010 14:27
Berlin - Es gibt mehrere Arten der Liebe, und die hängen auch mit dem Alter zusammen. In dieser Erkenntnis will einen der der deutsche Film «Die Liebe der Kinder» bestärken.
«Ich habe in den letzten Jahren viele Filme gesehen, die von der Liebe erwachsener Menschen handelten, bei denen ich aber oft das Gefühl hatte, dass sie mir eigentlich die Geschichte einer ersten Liebe erzählen», sagt Regisseur und Autor Franz Müller, Absolvent der Kunsthochschule für Medien Köln. Für seinen Abschlussfilm «Science fiction» hatte er 2003 den Babelsberger Medienpreis bekommen, im Jahr zuvor beim Filmfest München für «Freitagnacht» den Filmhochschulpreis in Gold.
«Ich finde, dass die Liebe zwischen erwachsenen Menschen etwas ganz anderes ist und es auch verdient hat, dass man über sie andere Filme macht», meint Müller. So habe er die Idee gehabt, zwei Modelle gegeneinander antreten zu lassen - das «Modell» der ersten Liebe in seiner direkten und absoluten Wahrheitslust und das der erwachsenen Liebe, das leidenschaftsloser sein kann, aber auch leichter und trotzdem tief.
Und das sieht dann so aus: der pragmatische Baumschneider Robert (Alex Brendemühl) und die intellektuelle Bibliothekarin Maren (Marie-Lou Sellem) wagen den Schritt vom Web ins wahre Leben, von der Internet-Singlebörse zur Verabredung an einer Autobahn-Raststätte. Trotz Rückziehers am Motelbett bleibt ein Kontakt. Sie ziehen sogar zusammen, samt ihren jeweils 16-jährigen Kindern.
Die grüblerische Maren zweifelt schnell, der etwas zweigesichtige Robert - manchmal stumpf, manchmal geistreich - sagt nur lakonisch «Irgendwas fehlt immer». Plötzlich entdeckt Maren ihre Tochter Mira (Katharina Derr) und Roberts Sohn Daniel (Tim Hoffmann) im Bett. Während die Liebe der Eltern verwelkt, steigert sich die Liebe der Kinder bis zu der fixen Idee, heiraten und auswandern zu wollen.
Besonders sehenswert in diesem Film sind die Frauen, nicht zuletzt Nicole Heesters in einem Kurzauftritt als Marens Mutter. Beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr verlieh die Jury unter dem Vorsitz von Kameramann-Legende Michael Ballhaus dem melancholischen Patchwork-Drama den Hauptpreis «Fliegender Ochse». In der Begründung hieß es, der Film schaffe für die Zuschauer «Räume für Assoziationen und Sehnsüchte». Müller erzeuge «erfahrbare Glaubwürdigkeit auf der Leinwand». Stimmt!
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