(21.05.2012)
04.09.2010 10:48
Hamburg - Einen «Heimatfilm» hat Fatih Akin (37) drehen wollen, und genau das ist die Komödie «Soul Kitchen» geworden: Eine schrille und wilde Hommage an die Hansestadt Hamburg, die beim Filmfestival in Venedig den Spezialpreis der Jury gewann und jetzt auf DVD erschienen ist.
Akins Meinung nach war «Soul Kitchen» längst überfällig: «Mit meinem Schuldgefühl Hamburg gegenüber ist es so ein bisschen wie bei der Schutzgeldmafia. Hamburg hat mich immer beschützt, war immer gut zu mir. Und ich hatte das Gefühl, ich muss jetzt endlich etwas zurückzahlen, zwar nicht Schutzgeld, aber einen Film als Dankeschön», sagte der Regisseur.
Im Jahr 2003 hatte Akin den ersten Entwurf dazu geschrieben, sich dann aber ganz seiner Trilogie um «Liebe, Tod und Teufel» verschrieben. «Filme entscheiden selber, wann sie geboren werden wollen oder nicht - genau wie Kinder», sagt er.
«Soul Kitchen» wurde schließlich mit so viel Unterstützung aus Akins engem Umfeld auf die Welt gebracht, dass Schauspieler Moritz Bleibtreu von einem «echten Familienfilm» spricht. Neben ihm agiert ein weiterer Akin-Kumpel in der Hauptrolle: Adam Bousdoukos, griechischer Abstammung und seit Schultagen Akins bester Freund, spielt Zinos, Besitzer der heruntergewirtschafteten Kneipe «Soul Kitchen». In Zinos' Leben jagt eine Katastrophe die nächste: Erst zieht die Freundin nach Shanghai, dann erleidet er einen Bandscheibenvorfall und nach der Einstellung des neuen Kochs (Birol Ünel), der eigentlich Schwung ins Restaurant bringen soll, bleiben auch die letzten Gäste aus. Damit das Chaos komplett wird, setzt Zinos auch noch seinen gerade aus der Haft entlassenen Bruder Illias (Bleibtreu) als Geschäftsführer ein.
Bousdoukos' einstiges eigenes Restaurant «Sotiris», in dem die Clique früher fast jeden Abend feierte, lieferte die Vorlage für den Film. An bekannten Gesichtern und Bildern aus der Hansestadt mangelt es nicht: Schauspieler von Jan Fedder über Gustav Peter Wöhler bis hin zu Peter Lohmeyer, Musik von Hans Albers bis Jan Delay und immer wieder Schauplätze rund um Alster und Elbe. Gedreht wurde unter anderem im Stadtteil Wilhelmsburg, der von sozialen Umstrukturierungsprozessen ebenso betroffen ist wie das Film-Restaurant selbst. Gesellschaftskritisches bringt Akin auch in «Soul Kitchen» auf den Tisch, nimmt Yuppisierung und Immobilienhaie aufs Korn. Eher als Beilage, denn das Menü besteht vor allem aus einer unterhaltsamen Komödie mit großartigen Schauspielern - auch Monica Bleibtreu, der Akin nach ihrem Tod diesen Film gewidmet hat, ist noch einmal zu sehen.
In Akins «Heimatfilm» ist die Welt nicht mehr so heil und das Dorf ein Restaurant. Wenn er «Soul Kitchen» jetzt nicht gemacht hätte, dann vielleicht niemals, hat Akin immer wieder gesagt. Und es klingt ein wenig nach Abschied und Aufbruch, wenn er über seine Pläne spricht: «Die nächsten drei Filme werden eher in internationalerem Zusammenhang stehen und teure Produktionen. Und sie werden mich erstmal jenseits von Hamburg treiben, denn sie spielen nicht in Hamburg, womöglich noch nicht einmal in Deutschland.»
Auch eine Komödie steht vorerst nicht auf dem Programm: «Weil das so schwer ist, werde ich das nicht ständig machen. Ich glaube, alle zehn Jahre», sagt Akin
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