(21.05.2012)
08.11.2010 10:25
Berlin Wie in ihrem Welthit «Lost in Translation» beschwört Autorin und Regisseurin Sofia Coppola auch in ihrem neuen Film «Somewhere» die Magie von Hotels und gewann damit in diesem Herbst den Goldenen Löwen beim Filmfestival von Venedig. Im dpa- Interview erzählt die 39-Jährige von ihrer Faszination für Hotels, ihrem Verhältnis zu ihrem Vater und ihrer Sicht auf die eigenen Filme.
Sofia Coppola, sind Sie von Hotels fasziniert?
Sofia Coppola: «In der Tat, ja. Ich habe einen Großteil meiner Kindheit in Hotels verbracht. Mein Vater musste ja beruflich viel reisen, so ließ sich das nicht vermeiden. Damals waren Hotels wunderbare Spielplätze für mich. Später habe ich dann entdeckt, dass sich in ihren Wänden oft die skurrilsten und schönsten Geschichten zutragen. Das ist für mich als Filmemacherin natürlich sehr reizvoll.»
Als Sie Mitte September den Hauptpreis beim Internationalen Filmfestival Venedig gewonnen haben, galt Ihr Dank besonders Ihrem Vater, dem Regisseur Francis Ford Coppola. Wofür?
Coppola: «Für seine Liebe, für seine Geduld, und dafür, dass er mir alles beigebracht hat, was ich über das Schreiben und Drehen von Filmen weiß. Und das, ohne irgendein Diktat. Er hat nie gesagt, "das musst Du so machen, und dies musst Du auf diese Weise sehen". Er hat mir das Handwerk beigebracht und meine Fantasie beflügelt. Und er ist ein wirklich liebevoller Vater.»
Ihr neuer Film, «Somewhere», lässt viele Deutungen zu. Man kann ihn als Geschichte eines Mannes sehen, der durch seine halbwüchsige Tochter erst richtig erwachsen wird, er ist aber auch deutbar als manchmal etwas melancholischer Abgesang auf das Hollywood von gestern. Welche Deutung ist Ihre?
Coppola: «Gar keine. Ich drehe Filme und deute sie nicht. Das überlasse ich dem Publikum. Aber all das ist sicher drin in dem Film. Wobei es stimmt, dass ich es eher leise und melancholisch mag, nicht durchgehend, aber doch ab und an. Das gehört schließlich zum Leben. Und ich möchte Geschichten erzählen, die etwas von der Wirklichkeit, vom wirklichen Leben, spiegeln. Ich hoffe immer, dass ich damit gut unterhalte und die Zuschauer auch ein bisschen anregen kann zu rätseln, nachzudenken und, ja, bewusst zu leben.»
| weitere meldungen |