(21.05.2012)
15.11.2010 10:55
Hamburg - Nach seinen Künstlerporträts wie «Basquiat» und dem überwältigendem Drama «Schmetterling und Taucherglocke» hat der New Yorker Regisseur und Maler Julian Schnabel jetzt einen «Nahost-Film» inszeniert: «Miral» ist ein flammendes Plädoyer für Menschlichkeit und Frieden.
Der Ausnahmekünstler Schnabel zeichnet auch in seinen Filmen stets echte Menschen mit außergewöhnlichen Schicksalen. «Beim Malen von Porträts achte ich auf Details, um sehr nahe bei den Menschen zu sein und ihre Verwundbarkeit und Stärke zu sehen, was meine Arbeitsweise mit den Schauspielern beeinflusst», erklärt Schnabel. «Ich lasse sie nicht fallen.»
Mit seinem jüngsten Werk «Miral» bringt Schnabel den halb-autobiografischen Roman «Miral Die Straße der Blumen» seiner Lebensgefährtin Rula Jebreal auf die Leinwand. In diesem Buch schildert die Autorin den Lebensweg eines palästinensischen Mädchens in Ost-Jerusalem. Während die Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Juden Ende der achtziger Jahre in der ersten Intifada gipfeln, wächst die junge Miral dort wohlbehütet in einem Internat für Waisenkinder auf.
Die Initiatorin dieses humanitären Bildungsprojekts ist die Palästinenserin Hind (Hiam Abbas), die die heranwachsenden Mädchen in ihrer Schule zu selbstbewussten und friedliebenden jungen Frauen erzieht. «Sie hat am 10. April 1948 in den Straßen von Jerusalem 55 Waisenkinder gefunden und beschloss, entweder mit diesen Kindern zu sterben oder sie zu retten. Dann hat sie diese Schule gegründet», berichtet Schnabel über die echte Lehrerin.
«Alles, was in diesem Film erzählt wird, ist wirklich passiert», unterstreicht Jebreal. Sie musste sich als 16-Jährige für oder gegen den bewaffneten Kampf entscheiden, nachdem sie die Zerstörung eines Hauses beobachtet hatte. «Eine alte Frau durfte noch nicht einmal ihre Medizin und die Fotos ihres verstorbenen Mannes mitnehmen», erinnert sich die Autorin. «Danach konnte ich nicht mehr so tun, als ob ich das nie gesehen hätte und begleitete meine Freunde zu Demonstrationen. Doch als die Armee kam, eskalierte die Situation. Ich erlebte, wie Freunde ermordet und verhaftet wurden.»
Diese Erfahrungen hat sie in ihrem Buch verarbeitet. «Ich habe es geschafft, sehr ehrlich über diese schmerzhafte Zeit zu schreiben. Ich habe mich davon distanziert, sagt Jebreal. «Ich bin nicht mehr Miral.»
Schnabel war von ihrem Buch so tief berührt, dass er sofort beschloss, den Stoff zu verfilmen. Neben der jungen Inderin Freida Pinto aus dem Kinohit «Slumdog Millionär» und der israelisch-arabischen Schauspielerin Hiam Abbass fand er mit Willem Dafoe und Vanessa Redgrave bis in die kleinsten Nebenrollen eine erstklassige Besetzung. Die Dreharbeiten erfolgten an Originalschauplätzen in Jerusalem und den Palästinensergebieten.
Mit emotionaler Wucht entfaltet Schnabel in «Miral» die verschiedenen Zielkonflikte, mit denen seine Protagonistinnen zu kämpfen haben. Dabei hat er Schlüsselszenen in betörend malerischen Bildern eingefangen, die von dem Spiel mit Licht, Farben und Kontrasten geprägt sind: Mit diesem ungewöhnlichen Kunstwerk beleuchtet Schnabel die Seelen der Menschen, die seit sechs Jahrzehnten unter dem anhaltenden Nahost-Konflikt leiden.
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