(21.05.2012)
15.12.2010 11:58
Paris - Lambert Wilson gehört zu den bedeutendsten Schauspielern Frankreichs. Er drehte unter anderem in «Sahara - Abenteuer in der Wüste» und «Babylon A.D.». Neben seiner Schauspielerei betätigt sich der 52-Jährige auch als Bariton und Regisseur.
In seinem jüngsten Film «Von Menschen und Göttern», der in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, spielt er einen der Protagonisten, den Prior Christian. Die Deutsche Presse- Agentur dpa sprach mit dem Schauspieler über seine Rolle und sein Verhältnis zu Glauben und Religion.
Der Film «Von Menschen und Göttern» stellt die Frage nach Glauben und Glaubenszweifel. Welches Verhältnis haben Sie zum Glauben?
Lambert Wilson: «Das ist eine sehr existenzielle Frage, eine Frage, die stark in den privaten Bereich vordringt. Es ist leichter über Sexualität zu reden als über Glauben. Glauben ist für mich etwas ganz Persönliches.»
Sind Sie religiös?
Lambert Wilson: «Ja. Ich bin erst spät christlich getauft worden. Ich bin, wie man sagt, religiös, aber nicht praktizierend.»
Was hat Sie an dem Film überzeugt mitzuwirken?
Lambert Wilson: «Ich war zunächst erstaunt, dass man mich gefragt hat. Ich hatte gezögert, denn ich wollte die Rolle nicht wiederholen, die ich als Armenpriester Abbé Pierre in "Hiver 54, l`abbé Pierre" spielte. Doch die Rolle war letztendlich eine ganz andere. Und da ich die Filme von Xavier Beauvois mag, habe ich mich überzeugen lassen. Zudem ist die Person des Priors Christian sehr faszinierend. Mich haben dessen Intelligenz und außergewöhnliche Ruhe stark beeindruckt.»
Was ist Ihrer Ansicht nach die wichtigste Botschaft des Films?
Lambert Wilson: «Dass man keine Angst vor dem Anderen haben soll. Wir leben in einer Welt, die die Angst vor dem Anderen oder dem Anderssein lehrt. Die Mönche sind ein herrliches Beispiel republikanischen Denkens, das Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in den Mittelpunkt stellt.»
Der Film handelt von der Ermordung von Trappistenmönche möglicherweise durch Fundamentalisten. Ein heikles Thema, an das der Regisseur mit viel Fingerspitzengefühl herangegangen ist. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen?
Lambert Wilson: «Man darf Religion und Politik nicht in einen Topf werfen. Religion darf nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein Beispiel dafür, welche katastrophalen Folgen dieses Amalgam haben kann.»
Interview: Sabine Glaubitz, dpa
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