(21.05.2012)
10.01.2011 12:27
London Sie sitzen in Unterwäsche an der Nähmaschine, um die warme und stickige Hallenluft zu ertragen. Auch sonst halten sie einiges aus: Rita O'Grady (Sally Hawkins) und ihre Kolleginnen arbeiten 1968 im Ford-Werk im Londoner Vorort Dagenham.
Die Frauen nähen die Bezüge für die Autositze. Sie nehmen die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Fabrik mit Humor sie kennen es nicht anders. Doch dann erfährt Rita in «We Want Sex», dass die Betriebsleitung die Näherinnen als «ungelernte Arbeitskräfte» bezeichnet. Dadurch kann sie ihnen weniger Lohn zahlen in Ritas Augen ein Skandal. Gemeinsam mit Gewerkschaftsvertreter Albert (Bob Hoskins) tritt Rita der Unternehmensführung gegenüber und beginnt den Kampf um Gerechtigkeit.
«We Want Sex» ist dabei von einer wahren Begebenheit inspiriert: von dem ersten Frauenstreik im Ford-Werk in Dagenham 1968. Der Film erzählt von einer chauvinistischen Männerwelt der 60er Jahre, in der Frauen unter den gleichen schweren Bedingungen in einer Fabrik arbeiten wie Männer, dafür aber wesentlich schlechter bezahlt werden. Der Film erzählt aber auch die Geschichte von Zusammenhalt, vom Glauben an die eigene Kraft und vom Einstehen für Ideale.
Letzteres ist vielleicht das Wichtigste, denn die konsequente Haltung der britischen Arbeiterinnen ermöglichte den «Equal Pay Act» von 1970 - eine Erfolgsgeschichte «Made in Dagenham», wie der englische Originaltitel des Filmes heißt. Der deutsche Titel «We Want Sex» ist allerdings leider eher irreführend, denn mit Sex hat der Film nichts zu tun. Für den verkaufsfördernden Titel musste eine kurze Szene aus dem Film herhalten, in der die Frauen ihr mit «We Want Sex Equality» («Wir wollen Gleichberechtigung») beschriftetes Plakat für einen Moment nicht ganz ausrollen.
Der Film selber ist jedoch äußerst gelungen. Regisseur Nigel Cole, der schon beim Kinoerfolg «Kalender Girls» (2003) Regie führte, hat mir viel Liebe zum Detail die 60er Jahre aufleben lassen und eine wahre Geschichte zu neuem Leben erweckt. Dass die Zuschauer schnell in die Geschichte gezogen werden, hat aber vor allem auch mit der phänomenalen Hauptdarstellerin Sally Hawkins zu tun. Nach der quirlig-überdrehten Poppy in Mike Leighs «Happy-Go-Lucky» spielt sie nun die Rolle von Rita, der Anführerin des Frauenstreiks.
Zunächst belächelt und unterschätzt werden - das ist unter anderem das Schicksal von Arbeiterin Rita. Doch im Laufe der Zeit entwickelt sie sich zu einer echten Leitfigur und führt die Arbeiterinnen in den ersten Frauenstreik der britischen Geschichte. Dabei muss sie sich auch gegen ihren eigenen Mann (Daniel Mays) durchsetzen. Denn wie die meisten Männer im Ort arbeitet auch er für Ford. Und als wegen des Streiks plötzlich keine Sitze mehr geliefert werden, ist sein Job in Gefahr, denn ohne die Sitze gibt es keine Autos mehr.
Aber Rita lässt sich nicht einschüchtern und macht während des Films eine enorme Wandlung durch: Die gleiche Rita, die sich am Anfang nicht traut, einem Lehrer ihres Sohnes die Stirn zu bieten, sorgt am Ende dafür, dass die Frauen bei Ford deutlich mehr Lohn erhalten. Auch deswegen ist «We Want Sex» mitreißend, warmherzig und absolut sehenswert.
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