(21.05.2012)
13.01.2011 08:37
Nürnberg - Vögel zwitschern, über Berggipfeln scheint die Sonne, Bäume wiegen sich sanft im Wind. Ein verliebtes Pärchen spaziert Hand in Hand über die von Blumen übersäte Almwiese. So idyllisch geht es im Nachkriegsdeutschland allerdings nur auf der Leinwand zu.
Die Realität ist hart zwischen den Trümmern, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Um zumindest für wenige Stunden den tristen Alltag und die schrecklichen Kriegserinnerungen vergessen zu können, zieht es die Menschen in Scharen in die Kinos. Dort träumen junge Frauen im Dirndl von der großen Liebe, dort ist der schneidige Förster im Bergwald unterwegs.
Ein Filmfestival in Nürnberg will von Donnerstag bis zum Sonntag ergründen, warum Heimatfilme früher so beliebt waren - und warum das Genre auch heute noch lebendig ist. 13 Filme haben die Veranstalter ausgewählt, los geht es mit «Die Geier-Wally», einem Stummfilm aus dem Jahr 1921. Aus den Bergfilmen der 1920er Jahre entstanden die Heimatfilme, in denen die Natur und ihre Schönheit eine wichtige Rolle einnahm.
«In der Nazi-Zeit ist der Heimatbegriff massiv missbraucht worden», erläutert Martin Wölzmüller vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Die Nationalsozialisten verbreiteten ihre Propaganda häufig via Film. «Heimat wurde nationalisiert», ergänzt Andrea M. Kluxen, die mittelfränkische Bezirksheimatpflegerin. Das Ergebnis: Filme wie etwa «Kolberg» von Veit Harlan, der kurz vor Kriegsende die Menschen zum Durchhalten animieren sollte.
Nach dem Ende des Krieges dann erlebte der Heimatfilm in Deutschland seine Blütezeit. Kluxen sagt: «Die Menschen wollten keine Trümmer sehen, sondern heile Welt.» Die fanden sie im Kino, wo die «buttercremetortensüßen» Streifen, wie Wölzmüller die damals beliebten Heimatfilme nennt, eine willkommene Ablenkung waren.
In den späten 1960er Jahren bekam die zuckersüße Fassade Risse. «Es wurde die Realität des Landlebens gezeigt, der Heimatfilm wurde sozialkritisch. Nun sollte klarwerden, dass das Landleben nicht idyllisch, sondern hart ist», betont Kluxen. Eine Wende markiere der Film «Jagdszenen aus Niederbayern» (1969), in dem dargestellt wird, wie ein homosexueller Mann in einem niederbayerischen Dorf geächtet und gehasst wird. «Das ist einer der großartigsten Filme dieses Genres überhaupt», sagt der fränkische Autor Fitzgerald Kusz.
Und heute? Heimatfilme gibt es natürlich nach wie vor, sie gehören zum festen Bestandteil der Fernsehunterhaltung. «Klischeebeladenes TV hat Konjunktur», findet der Videokünstler Christoph Girardet, der beim Festival die Video-Installation «Silberwald» präsentiert.
Doch es gibt auch Heimatfilme, die von Kritikern gelobt und mit Preisen überhäuft werden: In Nürnberg wird «Wer früher stirbt, ist länger tot» gezeigt, die Erfolgskomödie von Marcus H. Rosenmüller. Themen wie Tod, Religiosität, Kinderängste und der Wandel der ländlichen Gesellschaft würden hier jenseits aller Klischees erzählt, erläutern die Festival-Verantwortlichen.
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