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Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

19.02.2011 11:06

Berlin - Im Rennen um den Goldenen Bären der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind 16 Filme aus aller Welt. Die Nachrichtenagentur dpa schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.

Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

Die Schauspielerin Sindi Lacej und der Regisseur Joshua Marston präsentierten «The Forgiveness of Blood».

- «Margin Call» von JC Chandor (USA): Kevin Spacey und Jeremy Irons als New Yorker Investmentbanker am Vorabend der Finanzmarktkrise im Herbst 2008. PRO: Spannender, intelligenter Thriller mit brillanten Dialogen. CONTRA: Die Kritik am System wird immer wieder durch sentimentale Szenen verwässert.

- «El premio» (Der Preis) von Paula Markovitch (Argentinien): Autobiografisch inspirierte Erzählung über eine Kindheit zu Beginn der Militärdiktatur in Argentinien. PRO: Beachtlicher Erstlingsfilm, der die Zerrissenheit eines ganzen Landes im Aufwachsen eines kleinen Mädchens spiegelt. CONTRA: Der langsame, stark literarische Erzählstil fordert vom Publikum Geduld.

- «Schlafkrankheit» von Ulrich Köhler (Deutschland): Drama um einen Entwicklungshelfer in Afrika, der am Sinn seiner Arbeit zweifelt und seine Heimat verloren hat. PRO: Zeigt überzeugend den Zwiespalt von Entwicklungshelfern, die immer fremd in dem Land bleiben, dessen Menschen sie helfen. CONTRA: Häuft zu viele Klischees an.

- «Yelling To The Sky» von Victoria Mahoney (USA): Zoe Kravitz als Jugendliche, die ihrem kaputten Elternhaus entkommen will. PRO: Hauptdarstellerin Zoe Kravitz, Tochter von Musiker Lenny Kravitz, spielt klasse. CONTRA: Dramaturgische Mängel. Von einem Tag auf den anderen verwandelt sich ein braves Mädchen in einen gewalttätigen Teenie.

- «Les contes de la nuit» (Geschichten der Nacht) von Michel Ocelot (Frankreich): Der Altmeister des Animationsfilms und Schöpfer von «Kiriku und die Zauberin» kombiniert klassischen Silhouettenfilm mit 3D-Technik. PRO: Poetischer Märchenfilm. CONTRA: Die 3D-Technik bringt keinen Mehrwert.

- «An einem Samstag» von Alexander Mindadze (Russland): 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe wird erzählt, wie ein junger Parteikader und seine Freunde den Tag des Unglücks im April 1986 erleben. PRO: Kein Katastrophenfilm, sondern ein tief melancholisches und subtil politisches Werk. CONTRA: Die fahrige Handkamera drückt die Zerrissenheit der Figuren aus, ist für den Zuschauer aber anstrengend.

- «Coriolanus» von Ralph Fiennes (Großbritannien): Shakespeares gleichnamiges Drama über einen herrschsüchtigen Militär mit den Original-Dialogen in die Gegenwart versetzt. PRO: Blut triefende , doch gelungene Politparabel. CONTRA: Nichts für ganz sensible Gemüter.

- «Jodaeiye Nader az Simin» (Nader und Simin, Eine Trennung) von Asghar Farhadi (Iran): Drama über Schuld und Vertrauen in einer Familie mit Vater, Mutter, Kind, Alzheimer krankem Großvater sowie der für die Pflege des alten Mannes angestellten Helferin. PRO: Spannend wie ein Krimi. CONTRA: Ein paar Szenen sind zu lang geraten.

- «The Future» von Miranda July (USA): Ein Paar will aus gewohnten Alltagsroutinen und Gefühlsschleifen ausbrechen. PRO: Wunderschöne surreale Momente. CONTRA: Wehleidige Befindlichkeitsstudie von Mittdreißigern, die keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen wollen.

- «The Turin Horse» von Béla Tarr (Ungarn): 146 Minuten lange, in schwarz-weiß gedrehte Geschichte eines Bauern und seines Pferdes. PRO: Ein Film wie ein Gedicht voller Geheimnisse. CONTRA: Viele Metaphern in Tarrs epischer Erzählweise bleiben dem Zuschauer ein Rätsel.

- «Bizim Büyük Çaresizligimiz» (Unsere große Verzweiflung) von Seyfi Teoman (Türkei): Zwei Istanbuler Junggesellen nehmen die Schwester eines Freundes auf, die durch den Unfalltod ihrer Eltern traumatisiert ist. Beide Männer verlieben sich in das Mädchen. PRO: Mit leichter Hand inszeniert, unterhaltsam. CONTRA: Zu kleine Geschichte für das große Kinoformat.

- «Un Mundo Misterioso» (Rätselhafte Welt) von Rodrigo Moreno (Argentinien): Nach der Trennung von seiner Frau, kauft sich ein Mann sein erstes Auto und streift ziellos in der Stadt umher. PRO: Blick auf die vermeintliche Sinnlosigkeit des Lebens einer selbstverliebten Generation. CONTRA: Sehr langatmig.

- «Saranghanda, Saranghaji Anneunda» (Kommt Regen, kommt Sonnenschein) von Lee Yoon-ki (Südkorea): Eine junge Frau trennt sich von ihrem Ehemann. An seinem letzten gemeinsamen Tag wird das Paar mit Erinnerungen konfrontiert, die alles noch einmal anders ausgehen lassen könnten. PRO: Sensible Inszenierung, in der noch die kleinsten Details Bedeutung gewinnen. CONTRA: Dauer-Melancholie im Dauerregen.

- «Wer wenn nicht wir» von Andres Veiel (Deutschland): Die dramatische Liebesgeschichte zwischen der späteren RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und dem Schriftsteller Bernward Vesper. PRO: Blick auf die bislang im Film wenig thematisierte Vorgeschichte der RAF. CONTRA: Der Zuschauer hat wenig Identifikationsmöglichkeiten, so bleibt der Film reine Kopfarbeit.

- «Odem» (Lipstikka) von Jonathan Sagall (Israel): Zwei palästinensische Freundinnen begegnen sich nach langer Zeit in London wieder und können ein gemeinsames traumatisches Erlebnis aus ihrer Jugend nicht vergessen. PRO: Psychologisches Drama über die Bedeutung des Erinnerns. CONTRA: Zu viele Themen von palästinensischer Intifada bis zur Frauenliebe in eine Geschichte gepackt.

- «The Forgiveness Of Blood» von Joshua Marston (USA): Spannendes Drama über Blutrache im heutigen Albanien. PRO: Psychologisch genauer Blick auf den Alltag eines Heranwachsenden, der durch den Kampf von Tradition und Moderne geprägt ist. CONTRA: Kleine Längen im Erzählfluss.

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