||
||
||
||
Kinovorschau

zur aktuellen Kinovorschau...

Kinofilme Kino Charts

(21.05.2012)

Kino Schauspieler
Kino News - Aktuelle Kinonews

Wolfgang Petersens «Freudentanz» bei den Oscars

24.02.2011 13:19

Los Angeles - Wolfgang Petersen wird die Oscar-Gala am Sonntag «ganz gemütlich» zu Hause auf dem Bildschirm verfolgen. Doch an die eigene Aufregung auf dem roten Teppich kann sich der deutsche Hollywoodregisseur noch gut erinnern.

Wolfgang Petersens «Freudentanz» bei den Oscars

Wolfgang Petersen in seinem Büro im kalifornischen Santa Monica, USA.

Sein Kriegsdrama «Das Boot» war schließlich für sechs Oscars nominiert, die meisten Anwartschaften mit denen je ein deutscher Film von der US-Film-Akademie bedacht wurde. Es war im Februar 1983, als sein frisch angeheuerter Hollywood-Agent aus Los Angeles fassungslos ins Telefon schrie: «Wolfgang, du bist für zwei Oscars nominiert!», für Regie und adaptiertes Drehbuch, hinzu kamen Kamera, Schnitt, Sound und Tonschnitt.

«Ich war damals 42 Jahre alt», erzählt Petersen in seinem Büro im kalifornischen Santa Monica. Dass er im kommenden Monat 70 Jahre alt wird, ist dem Jeansträger nicht anzusehen. Mit Bernd Eichinger als Produzent drehte Petersen in München gerade «Die unendliche Geschichte», als die Oscar-Bombe einschlug. «Wir waren alle im Studio und haben einen wirklich großen Freudentanz veranstaltet.»

Plötzlich war der deutsche Regisseur in illustrer Gesellschaft. Für den Regie-Oscar waren mit ihm Steven Spielberg («E.T.»), Richard Attenborough («Gandhi»), Sydney Pollack («Tootsie») und Sidney Lumet («The Verdict») nominiert. «Besser geht's nicht», sagt Petersen. Sein packendes Drama über das Schicksal einer deutschen U-Boot-Besatzung während des Zweiten Weltkriegs war mit einem Budget von 25 Millionen Mark die bis dahin teuerste deutsche Filmproduktion.

Zur Trophäen-Verleihung im April flog der gebürtige Ostfriese mit seinem «Boot»-Team für nur eine Nacht ein, der Dreh in Deutschland musste weitergehen. Etwas Panik verspürt wohl jeder Oscar-Neuling, vor allem wenn im Hotel nach dem Bügeln der Smoking plötzlich fehlt. «Ich stehe in der Unterhose vor dem Spiegel, keiner kann ihn finden, und ich bin für zwei Oscars nominiert», beschreibt Petersen das Drama kurz vor Showbeginn. Auf den letzten Drücker geht es - mit Smoking - doch noch auf den roten Teppich.

Gastgeber der Show im Dorothy Chandler Pavilion waren Liza Minnelli, Walther Matthau, Dudley Moore und Richard Pryor. Petersen erinnert sich an die «richtig großen, heute fast altmodischen Musiknummern», an das Staraufgebot «von Paul Newman bis Robert Redford» und an die eigene Gelassenheit. «Das war alles toll und aufregend, aber ich habe dort wirklich mit einem Lächeln gesessen, weil ich einfach wusste, dass ich nicht gewinnen würde». Am Ende ging «Das Boot» gänzlich leer aus. «Gandhi» mit Ben Kingsley in der Hauptrolle unter der Regie des Briten Richard Attenborough war mit acht Oscars der Abräumer des Abends. Meryl Streep gewann mit «Sophies Entscheidung» ihren bisher einzigen Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Auch ohne Oscar im Gepäck war dies der Startschuss für Petersens Hollywoodkarriere. Ein «erstes Beschnuppern» mit Dustin Hoffman fand noch kurz vor dem Abflug statt, als der «Tootsie»-Star, ebenfalls Oscar-Verlierer, ihn unbedingt treffen wollte, erzählt Petersen. Zehn Jahre später drehten sie zusammen den Thriller «Outbreak: Lautlose Killer». Und noch ein Lob ist Petersen gut in Erinnerung. Auf dem Rückflug von Los Angeles sei Oscar-Gewinner Attenborough auf ihn zugekommen mit den Worten: «Mister Petersen, you should have gotten the Oscar» (Herr Petersen, Sie hätten den Oscar bekommen sollen).

Wer in diesem Jahr die Trophäen gewinnt, das hat Petersen als eines der knapp 6000 Mitglieder der Oscar-Akademie mit bestimmt. Seine Wahl darf er nicht verraten, aber eine Prognose gibt er gerne ab. «The King's Speech» («Ohne Zweifel bester Film»), Colin Firth («Den kann keiner schlagen»), Natalie Portman («Die anderen Schauspielerinnen brauchen erst gar nicht kommen»). In diesem Jahr seien viele Qualitätsfilme nominiert, die zugleich auch große Publikumserfolge sind, sagt Petersen erfreut. Hollywood setze den Qualitätsmaßstab wieder höher an, «denn die Leute wollen mehr Originelles und Frisches sehen, was sie mehr herausfordert, aber trotzdem unterhaltsam ist».

Petersen arbeitet derzeit an mehreren Projekten, darunter eine Science-Fiction-Liebesgeschichte und ein deutsches Spielfilm-Remake seiner 70er-Jahre-Fernsehkomödie «Vier gegen die Bank». «Wahnsinnig gern» würde er noch einmal als Nominierter zu den Oscars gehen, aber ganz sicher nicht mit einer Neuverfilmung von «Das Boot». «Absolut nicht! Ein Remake oder eine Fortsetzung davon würde ich nicht drehen», versichert Petersen. «Ich glaube nicht, dass man ihn verbessern kann».

weitere meldungen