||
||
||
||
Kinovorschau

zur aktuellen Kinovorschau...

Kinofilme Kino Charts

(21.05.2012)

Kino Schauspieler
Kino News - Aktuelle Kinonews

Hilary Swank im Justizdrama «Betty Anne Waters»

14.03.2011 16:53

Stuttgart - Das Justizdrama «Betty Anne Waters» beginnt an einem Ort des Grauens: In einem Wohnwagen sind überall Blutspuren zu sehen, das Chaos in dem Raum deutet auf einen Kampf hin. Schließlich fokussiert die Kamera eine Leiche.

Hilary Swank im Justizdrama «Betty Anne Waters»

Schauspielerin Hilary Swank als Betty Anne Waters kämpft um ihren zu Unrecht verurteilten Bruder. (Foto: Tobis)

Der Mörder ist nicht mehr am Tatort, doch er scheint in der nächsten Szene aufzutauchen: Der gewalttätige Gelegenheits-Bauarbeiter Billy (Sam Rockwell, «Moon») lebt am unteren Ende der sozialen Skala, sein Vorstrafenregister ist lang. Er kommt in Haft. Nur seine Schwester Betty (Hilary Swank) glaubt fest an seine Unschuld - und kämpft unbeugsam gegen die Mühlen der Justiz.

Die 36-jährige Hilary Swank fühlt sich ganz offenbar wohl in der Rolle der Außenseiterin, die im Milieu des amerikanischen «White Trash» - der weißen Unterschicht - als zerbrechliche Figur unerwartete Steherqualitäten beweist. Das zeigte sie dem Kinopublikum schon eindrucksvoll in «Boys Don't Cry» (1999) und in «Million Dollar Baby» (2004), für beide Parts bekam sie den Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin.

Nun ist ihr die Underdog-Rolle in «Betty Anne Waters» wie auf den Leib geschrieben: Immer wieder setzt es Rückschläge, doch nie lässt sie sich aus der Bahn bringen. «Was ist, wenn Billy schuldig ist?» fragt eine Freundin, nachdem zahlreiche Versuche, die Unschuld des Bruders zu beweisen, nicht fruchten. Doch eine Antwort darauf hat keinen Platz mehr im Leben von Betty Anne Waters. Die Freundin wird zornig der Tür verwiesen.

Die Geschichte der Kellnerin ohne Schulabschluss, die wegen ihres inhaftierten Bruders auf die Schulbank zurückkehrt, Jura studiert und Anwältin wird, ist doch sehr amerikanisch: Alles ist möglich im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten». Den Guten widerfährt am Ende doch noch Gerechtigkeit, und die bornierten Cops enden in staubigen Hinterzimmern. So wird die vorhersehbare Geschichte um eine dicke Prise US-Pathos angereichert. Regisseur Tony Goldwyn übte sich bislang vor allem in Episoden von Krimiserien («Law & Order», «Without a Trace»), nun darf er die ganze Breite der Kinoleinwand füllen. Er nutzt das für reichlich emotionale Nahaufnahmen von abwechselnd verzweifelten und entschlossenen Menschen.

«Betty Anne Waters» basiert auf einer wahren Geschichte. In Grundzügen erinnert es an den Film «Erin Brockovich» (2000), in dem es Julia Roberts als Ökoaktivistin mit der Justiz aufnimmt. Beide sind auf sich allein gestellt, beide geben als starke Frauenfiguren in einer Männerwelt nie auf, beide zeigen eindrucksvoll ihr Können. Doch in «Betty Anne Waters» erdet ein vergleichsweise unoriginelles, arg lineares Drehbuch den schauspielerischen Höhenflug von Hilary Swank und ihrem Co-Hauptdarsteller Sam Rockwell.

Im amerikanischen Original heißt der Film «Conviction» - Verurteilung. So dreht sich die Geschichte einzig und allein um den Schuldspruch des vermeintlich unschuldigen Bruders. Zeit für die Facetten einer Milieustudie lässt sich Regisseur Goldwyn kaum - Juliette Lewis und Clea DuVall dürfen als verbitterte Ex-Geliebte nur kurz über das Bild hasten, Minny Driver ist als ältere Kommilitonin nur hölzernes Beiwerk. Wie aus dem Diaprojektor werden Rückblenden in die Kindheit der Geschwister gezeigt, der Erzählfluss der 107 Filmminuten wird damit verlangsamt: Damals, als es bei ihren Lausbubenstreichen nur um Süßigkeiten ging. Lange bevor das Unrecht grausam zuschlug - und der Kampf dagegen sich jahrzehntelang hinzog.

weitere meldungen