(21.05.2012)
15.03.2011 17:26
Berlin - Zu Beginn des Films steht ein Zitat von Papst Johannes Paul II. «Der Kampf gegen den Teufel», heißt es da, gehe auch heute weiter, «denn der Teufel lebt und ist in der Welt aktiv».
Das von tatsächlichen Ereignissen inspirierte, vom schwedischen Regisseur Mikael Håfström («Zimmer 1408») in Szene gesetzte Drama erzählt vom Priester-Seminaristen Michael, der an einer Exorzistenausbildung in Rom teilnimmt. Darsteller-Legende Anthony Hopkins («Das Schweigen der Lämmer») brilliert in einer der Hauptrollen.
In Italien soll Michael (gespielt vom Iren Colin O`Donoghue) den Ritus des Exorzismus erlernen. Er zweifelt jedoch an den Methoden der katholischen Kirche zur Behandlung von Besessenen, glaubt zunächst eher an die Wirkkraft von Psychologie und Psychiatrie. Die Begegnung aber mit Pater Lucas (Hopkins), einem erfahrenen Exorzisten, und einige unerklärliche Begebenheiten erschüttern Michael. Als er zudem erfahren muss, dass sein Vater - Michael stammt aus einer Bestatterfamilie, die Mutter hat er früh verloren - den Folgen eines Schlaganfalls erlegen ist, ist der junge Skeptiker der Verzweiflung, ja dem Wahnsinn nahe.
In jedem Fall muss man dem Film - das Skript basiert auf einem Buch des Journalisten Matt Baglio («The Rite: The Making of a Modern Exorcist») - zugutehalten, dass es sich keineswegs um einen undifferenzierten Exorzismus-Schocker handelt. Auf allzu platte, allzu alberne Grusel- oder Spezial-Effekte wird weitgehend verzichtet; wenn Regisseur Håfström auch kaum je an die Meisterschaft und Figurenzeichnung eines William Friedkin («French Connection - Brennpunkt Brooklyn») heranreicht. Dieser hatte 1973 mit «Der Exorzist» einen Film vorgelegt, dessen Story einige Parallelen zu «The Rite» aufweist. Auch in Sachen Kamera und musikalischer Untermalung reicht «Das Ritual» nicht an die Brillanz des Horror-Klassikers mit Max von Sydow heran. Håfström macht zu viele Zugeständnisse an Hollywood-Konventionen.
Einem Anthony Hopkins aber bietet das Drama eine veritable Bühne, auf der er seine darstellerische Finesse ein ums andere Mal ausspielen kann. Schließlich kennt das Weltkino kaum jemanden, der mit derart subtilen Mitteln einen solch intensiven Ausdruck zu erzeugen vermag. Hie und da erinnert Hopkins' Mimik denn auch an seinen unvergesslichen Auftritt in «Das Schweigen der Lämmer» von 1991. Der junge und noch weitgehend unbekannte Colin O`Donoghue freilich wird von der schauspielerischen Wucht des Sir Anthony Hopkins gleichsam an die Wand gespielt.
In den USA zwar stieß «The Rite» auf überwiegend negative Besprechungen, ein renommierter Kritiker wie Roger Ebert aber konstatierte, der Film nehme sein Thema ernster als erwartet. Auch von katholischer Seite gab es Anerkennung: So sprach der «Catholic News Service» von einem «honorigen Drama». Bei allen Zugeständnissen, etwa an etablierte Sehgewohnheiten, ist der Film denn auch durchaus dazu angetan, zum Nachdenken über Gegensätze von Glauben und Zweifel, Religion und Wissenschaft, Gut und Böse anzuregen. Fans indes des großen Anthony Hopkins kommen um «The Rite - Das Ritual» ohnehin kaum herum.
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