(21.05.2012)
21.04.2011 09:00
San Francisco - Mit einem guten Dutzend Spielfilmen und vielen Schockeffekten hat John Waters Kultstatus erreicht. Der provokative Kult- und Trash-Regisseur, der seine Vorliebe für Sex und Gewalt hemmungslos auf die Leinwand bringt, feiert am 22. April seinen 65. Geburtstag.
Mit seinem hauchdünnen Oberlippenbärtchen sieht er so exzentrisch aus, wie viele seiner Filmcharaktere in den schrägen Streifen «Pink Flamingos», «Polyester» und «Cry-Baby». Mit dem Filmmusical «Hairspray» konnte er massenhaft Zuschauer begeistern, doch Waters blieb stets ein Hollywoodaußenseiter. Auch rein geografisch: Er pendelt zwischen seiner Geburtsstadt Baltimore, New York und San Francisco. Von Los Angeles hielt er immer Abstand.
Am 22. April 1946 wurde John Samuel Waters Jr. in Baltimore im US-Staat Maryland geboren. Schon als Kind sei er anders gewesen, erzählte Waters 2009 der Nachrichtenagentur dpa, voll des Lobes für seine Eltern. «Als ich klein war, hat mich meine Mutter zu Schrottplätzen gebracht, weil ich von Unfällen und Blut besessen war. Sie haben nicht gewusst, was sie mit mir machen sollen. Aber sie haben das Richtige gemacht und mich ermuntert. Sie haben nicht versucht, mich zu ändern. Ich habe eine tolle Familie. Vermutlich bin ich auch deshalb nicht in der Irrenanstalt gelandet.»
In den 1960ern experimentierte er mit Underground-Kurzfilmen, die er in angemieteten Räumen einer langsam wachsenden Zahl von Fans zeigte. Zusammen mit dem Transvestiten Divine, den er aus Schulzeiten kannte, drehte er 1972 den schrillen Schocker «Pink Flamingos». Die berüchtigte Szene, in der Divine Hundekot verspeist, trug dazu bei, dass Waters als «Trash-Papst» gefeiert wurde. Mit «Female Trouble» und «Desperate Living» war die Trash-Trilogie 1977 komplett. «Wenn sich jemand beim Anschauen meiner Filme übergibt, dann ist das für mich wie stürmischer Applaus», sagte Waters einmal über seine schrägen Inhalte.
Nachdem er sich 1981 in der Gesellschaftssatire «Polyester» über das amerikanische Vorstadtleben lustig gemacht hatte, prangerte er mit dem Filmmusical «Hairspray» 1988 auf sarkastische Weise Rassismus und Diskriminierung an. Divine übernahm die Rolle der schwergewichtigen Edna Turnblad, die ihrer ebenfalls dicken Tochter Tracy vergeblich erklärt, dass man als Pummelchen bei Tanz-Shows keine Chance hat. In einem weniger frechen Slapstick-Remake zog John Travolta 2007 unter der Regie von Adam Shankman die Frauenkleider an. Zuvor hatte eine gleichnamige Broadway-Version mehrere Tony Awards gewonnen.
Mit Divines Tod kurz nach der «Hairspray»-Premiere 1988 war für Waters die Ära der wüsten Travestie-Comedys beendet. In «Cry-Baby» (1990) ließ er zwei Jugendgangs im Baltimore der 1950er Jahre aufeinander los, der junge Johnny Depp spielte den rebellischen Rocker Cry-Baby. In der Satire «Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht?» (1994) macht Waters aus Kathleen Turner eine perfekte Hausfrau, Mutter und Mörderin. In der bissigen Satire «Pecker» (1998) attackierte Waters mit gehässigen Seitenhieben die blasierte New Yorker Kunstszene. Zwei Jahre später nahm er mit «Cecil B. DeMented» Hollywoods Glamourwelt aufs Korn, als er eine Filmdiva (Melanie Griffith) von einem Regie-Terroristen entführen lässt, der sie als Hauptdarstellerin für seinen neuen Film haben will.
Für Waters ist das Filmemachen nach eigenem Bekunden ein Stück Therapie. «Ich habe gelernt, wie ich ein glücklicher Neurotiker sein kann. Aber wenn ich meine Filme nicht gehabt hätte, und keinen Kanal für all die asozialen Dinge - ich weiß nicht, was passiert wäre», erzählte er 2009 der dpa.
Waters macht One-Man-Shows, schreibt Bücher, fotografiert und tritt gelegentlich als Schauspieler auf. Woody Allen holte ihn für «Sweet and Lowdown» (2000) vor die Kamera. Er spielte auch in der Horrorkomödie «Chucky's Baby» (2005) mit.
Dem «San Francisco Chronicle» versicherte er im vorigen Jahr, dass er auf Fans gut zu sprechen ist und nichts dagegen hat, wenn Fremde ihn fotografieren. «Ich habe mich noch nie darüber beschwert, berühmt zu sein», sagte Waters. «Ich verstehe die Leute nicht, die sich aufs Showgeschäft einlassen und dann so tun, als wollten sie nicht gesehen werden. Warum würde es sonst Show Business heißen?»
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