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Kenneth Branagh über Shakespeare und Comics

28.04.2011 09:08

München - Kenneth Branagh gilt als einer der wichtigsten Shakespeare-Interpreten Großbritanniens - als Regisseur und Schauspieler, auf der Bühne und im Film. Jetzt hat er sich an ein ganz anderes Projekt herangewagt.

Kenneth Branagh über Shakespeare und Comics

Stetig auf der Suche nach Neuem: Kenneth Branagh.

An diesem Donnerstag (28. April) kommt der 3D-Action-Kracher «Thor» in Deutschland in die Kinos - eine Adaption der berühmten Marvel Comics. Branagh führte Regie.

Erst Shakespeare, jetzt eine Comic-Verfilmung - ist das nicht ein sehr großer Schritt?

Kenneth Branagh: «Na ja, die zentrale Geschichte in "Thor" handelt von einem Prinzen und davon, ob er einen guten König abgeben wird oder nicht. Das weckt Erinnerungen an Henry V.. Die Frage nach der Thronfolge stellt sich auch in Hamlet. Außerdem bedienen sich sowohl Shakespeare als auch Stan Lee in den Marvel Comics alter Mythen anderer Völker. Shakespeare hat die Griechen und die Römer benutzt, Stan Lee die nordischen Mythen. Sie beiden haben gute Vorlagen für ihre Geschichten erkannt. In diesem Fall geht es um den jungen, vielleicht arroganten Helden, der demütig werden und sich das Recht, aus dem Exil nach Hause zurückzukehren, erst verdienen muss.»

Haben Sie sich darum dazu entschlossen, diesen Film zu machen?

Kenneth Branagh: «Ich halte diesen Film für eine großartige Metapher für Männer - und auch Frauen -, die erwachsen werden. Es ist allerdings eine besonders männliche Geschichte, weil es auch darum geht, wie Thor sein Testosteron im Griff hat und wie er die Dinge bewältigt, die Männer eben bewältigen müssen. Mir hat außerdem gefallen, dass Thor auf die Erde verbannt wird. Daran kann man sehr viel aufhängen - komische wie tragische Elemente und auch Romantik. Der Film hat mir die Möglichkeit gegeben, tolle Schauspieler zu casten und ihnen tolle Rollen zu geben - und das in einer Größenordnung, die ich sehr anziehend fand.»

Die Bandbreite Ihrer Arbeit ist sehr groß. Warum reizt Sie immer wieder das Neue?

Kenneth Branagh: «Meine Mutter hat immer gesagt, ich kann nicht still sitzen. Und es gibt in mir sicher eine gewisse Unruhe. Die Dinge, die ich gemacht habe, haben bei allen Unterschieden ganz klar sehr viele Gemeinsamkeiten. Aber die Werkzeuge, mit denen die Geschichte erzählt wird, unterscheiden sich: schwarz-weiß oder jetzt 3D. Ein Teil dieser ewigen Suche nach dem Neuen ist der Wunsch, es mir nicht zu bequem zu machen und nicht zu überheblich zu werden. Ich will meine Arbeit selbst genau untersuchen und auch andere Meinungen dazu anhören. Bei dieser Verfilmung eines Marvel Comics ist das ganz besonders der Fall, weil es so viele Fans gibt, die ihr Marvel-Empire schützen wollen und mir ganz genau auf die Finger gucken. Das ist eine große Herausforderung.»

Sie sind auch als Schauspieler immer sehr experimentierfreudig gewesen. Haben Sie jemals daran gedacht, Thor vielleicht selbst zu spielen?

Kenneth Branagh: «Nicht in einer Million Jahren! Aus sehr offensichtlichen Gründen wie Alter, Größe oder sehr vielen anderen Dingen. Außerdem ist meine Leidenschaft für die Schauspielerei in den vergangenen Jahren vor allem dadurch wieder geweckt worden, anderen dabei zuzusehen. Ich habe mich so einzigartig privilegiert gefühlt, Anthony Hopkins und Natalie Portman beim Schauspielern zusehen zu können. Sie sind beide so unglaublich gut geschulte Schauspieler. Neben ihrem offensichtlichen Talent kann man ihre Erfahrung am Set quasi fühlen. Und zu sehen, wie sie und auch die beiden brillanten jungen Schauspieler Chris Hemsworth und Tom Hiddleston das gemacht haben, war für mich wirklich faszinierend. Ich selbst habe aber überhaupt keine Ambitionen gehabt, in diesem Film mitzuspielen. Außerdem: Wann hätte ich das denn noch machen sollen?»

Hatten Sie die Besetzung von Anfang an so geplant?

Kenneth Branagh: «Vor allem die Suche nach einem Thor hat sehr lange gedauert. Ich habe Leute aus Deutschland, Schweden, England, Irland - eigentlich aus der ganzen Welt - angesehen. Am Anfang wussten wir nicht genau, wie Thor aussehen könnte. Und ziemlich zum Schluss kam Chris dann rein und wir sahen in ihm diese Bandbreite, die Thor zeigen muss. Die physische Präsenz hatte er und er war tapfer genug, am Anfang des Films arrogant zu sein und zur Mitte hin dann auch seine komische Seite zu zeigen. In dem zentralen Charakter geht es um Veränderung - und das konnte er glaubwürdig rüberbringen. Ich hatte davon geträumt, genau das in diesem Film zeigen zu können und das habe ich ihm zu verdanken.»

Interview: Britta Schultejans, dpa

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