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Jim Rakete zum «Stand der Dinge» im deutschen Film

26.07.2011 10:13

München - Dem Ausdruck seiner Augen nach könnte Jürgen Vogel mit der Baseball-Keule in seinen Händen jederzeit zuschlagen. Fotograf Jim Rakete musste aber keine Angst haben.

Jim Rakete zum «Stand der Dinge» im deutschen Film

Jim Rakete reflektiert über den Stand der Dinge.

Vogel posiert gerne für ihn, so wie auch viele andere Stars der deutschen Film-Schauspielkunst. Aktuelles Projekt von Rakete ist ein neuer Blick auf das Who's who der Branche hierzulande. Er nennt es «Stand der Dinge», und so lautet auch der Name seines neuen Bildbandes. Die Schauspieler tragen auf den Bildern Requisiten bei sich, um an ihre Filme zu erinnern. Bei Vogel ist die Keule der Hinweis auf seinen Gangsterstreifen «Schwerkraft».

Moritz Bleibtreu hat eine Pistole der Marke Beretta dabei, Verweis auf «Knockin' on Heavens Door». Das Porträt von Doris Dörrie ist um einen Kirschblütenzweig ergänzt («Kirschblüten-Hanami»). Und so geht es weiter: Gottfried John trägt eine Doppelflinte, Katja Flint einen Zylinder, und Axel Prahl hat eine Currywurst vor sich. Götz George ist auch dabei, natürlich mit dieser einen, dieser beigefarbenen, dieser unverwechselbaren Jacke von Schimanski.

Mancher Gegenstand musste bei ebay besorgt werden, die Flinte wurde bei einem Waffenhändler geliehen, das Mikrofon für Hanna Schygulla stammte vom Deutschen Technikmuseum, ist in dem Buch zu lesen. Die Idee mit den Requisiten entwickelte Rakete gemeinsam mit dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main. Es wird dem Fotografen zur Wiedereröffnung im August eine groß angelegte Ausstellung widmen (14. August 2011 bis 5. Februar 2012).

Rakete hat wie kein zweiter Fotograf Zugang zu den deutschen Stars. Das allein reicht aber nicht für ein großes Projekt. In seiner Bilderserie folgt der Fotograf zudem einem durchgängigen Konzept. Er wählt mit der Blende nur einen begrenzten Bereich der Schärfentiefe. So löst er seine Protagonisten vom meist unscharf gehaltenen Vorder- oder Hintergrund. Nichts soll vom Hauptmotiv ablenken können. Die scharfen Gesichtspartien geben dem Auge Halt.

Die Bilder folgen außerdem einem einheitlichen Farbkonzept. Erdige, zurückgenommene, gebrochene Töne herrschen vor - ein durchgängiges Merkmal der Serie. Die Fotos sind farbig, nicht bunt. Rakete arbeitet mit der Kamera feine und feinste Details der Gesichter heraus - um Charakterköpfe zu schaffen. Das alles könnte vermuten lassen, dass der Fotograf am Set ewige Zeit herumdoktert und ausprobiert.

«Meist braucht Jim Rakete nur einige Minuten für ein Bild. Die erste Idee sei doch immer die beste, sagt er, beim langen Absuchen verheddere man sich nur in einer Diskussion mit sich selbst», schreibt «FAZ»-Redakteur und Fotografie-Experte Freddy Langer in seiner Einleitung.

Rakete nutzt seinen Zugang zu den Stars bestmöglich und fügt eine eigene, schlüssige Bildidee hinzu. Ganz sicher werden sich auch die über lange Zeit an Kameras und die Öffentlichkeit gewöhnten Schauspieler auf diese Weise und in dieser Gesellschaft gerne porträtiert sehen.

Jim Rakete

Stand der Dinge

Verlag Schirmer/Mosel, München,

208 Seiten, 101 Farbbilder

49,80 Euro

ISBN 978-3-8296-0533-5

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