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«Cinecittà» - Italiens Hollywood am Tiber

01.08.2011 12:43

Rom - Was waren das noch für herrliche Zeiten, als Marcello Mastroianni in Federico Fellinis «La dolce vita» (1960) über die Via Veneto spazierte und Anita Ekberg sich im murmelnden Wasser des Trevi-Brunnens räkelte.

«Cinecittà» - Italiens Hollywood am Tiber

Szene aus «La Dolce Vita» von Federico Fellini mit Marcello Mastroianni und Anita Ekberg. Der Film wurde 1960 in "Cinecitta" in Rom gedreht. (Foto: Blue Box Toys)

Dass es sich bei Straße und «Fontana» nicht um die Originale, sondern um Nachbauten in Roms Filmstadt «Cinecittà» handelte, dürfte bis heute niemandem aufgefallen sein. «La dolce vita», das süße Leben, wo die ganz großen Stars des internationalen Kinos in Roms Filmstudios zu Hause waren, scheint jedoch vorüber. Es ist stiller geworden um das Hollywood am Tiber.

Gegründet wurde die sich über 400 000 Quadratmeter erstreckende Filmstadt «Cine-città» (aus Cinema: Kino und Città: Stadt) von Italiens faschistischem Diktator Benito Mussolini (1883-1945). Er ließ sich Mitte der 1920er Jahre von dem Journalisten und Politiker Luigi Freddi für die Vision eines großen Filmstudios gewinnen. Ein Ort, an dem man Träume produzieren könnte - wie Hollywood. Mussolini war begeistert. «Kino ist die stärkste aller Waffen», soll er einmal gesagt haben.

So wurde das römische Hollywood zwischen 1936 und 1937 in einer Rekordzeit von nur 13 Monaten aus dem Boden gestampft, nachdem zuvor ein mysteriöser Brand die alten Studios in der römischen Via Veio zerstört hatte. Weit über 100 Propagandafilme entstanden in der neuen Filmstadt in den nächsten Jahren - in Glanz und Gloria bis zur Kapitulation Italiens. 1943 diente das Gelände erst kurzfristig als Sammellager für Gefangene der durch Italien wütenden Nazis. 1945 unter amerikanischer Militärverwaltung wurde es zum Lager für Flüchtlinge. Doch was wie das Ende aussah, war der Anfang: Denn nach Mussolini, Krieg und Elend kamen die Filmschaffenden, die Cinecittà die goldenen Jahre bringen sollten.

Hier drehte US-Regisseur Mervyn LeRoy 1949 den Film «Quo Vadis» mit Peter Ustinov, Robert Taylor und Deborah Kerr. Hier produzierte William Wyler 1958 den Welterfolg «Ben Hur» mit Charlton Heston in der Hauptrolle. Doch nicht nur US-amerikanisches Kino machte Cinecittà berühmt. Nach und nach kamen auch die großen Italiener: Von Roberto Rossellini über Vittorio De Sica bis Luchino Visconti. Vor allem ein Name ist unlöslich mit der Filmstadt verbunden: Der des Meisterregisseurs Federico Fellini (1920-1993).

Der in Rimini geborene Wahlrömer drehte in den Hallen des Theaters Nummer Fünf und auf dem Gelände der Filmstadt fast alle seine Filme. «Cinecittà» sei «il posto ideale», der ideale Platz, für einen Filmschaffenden, wie der leere Kosmos vor dem Urknall, begründete der lebenslustige Regisseur einst seine enge Verbindung zur römischen Filmstadt. Für «La dolce vita» (1960) ließ er dort unter anderem die Via Veneto nachbauen - für das Original hatte er erst ab zwei Uhr nachts eine Drehgenehmigung.

Große Stars holte Fellini in die Traumfabrik: Anita Ekberg und Marcello Mastroianni, Anthony Quinn und Claudia Cardinale. Im Episodenfilm «Boccaccio 70», den Fellini gemeinsam mit Meister-Kollegen wie Mario Monicelli, Luchino Visconti und Vittorio De Sica drehte, standen Sophia Loren und Romy Schneider in Cinecittà vor der Kamera.

Nach über 3000 Filmproduktionen ist es heute jedoch stiller geworden um das römische Hollywood. 1997 wurde die Filmstadt teilprivatisiert und liegt seitdem in den Händen der Gesellschaft «Cinecittà Studios S.p.A.». Ab und an flammen Gerüchte über eine Schließung der Studios auf. Diese wurde allerdings erst vor kurzem vom Kultusministerium erneut als «ausgeschlossen» verworfen. Doch die letzte größere Filmproduktion - Martin Scorseses «Gangs of New York» - fand 2002 statt. Diven und Traumfrauen sind auf dem Studiogelände selten geworden. Mit einer Ausstellung soll das Interesse an der römischen Traumfabrik wach gehalten werden.

«Cinecittà si mostra» - Cinecittà zeigt sich - heißt die Schau. Großflächige Fotografien, Kostüme und Requisiten erinnern an die Blütezeit des italienischen Films - Audrey Hepburns Kleider, die Schuhe von Fellinis «Casanova». Am faszinierendsten bleiben jedoch die Kulissen. Hinter dem New York der Gangs von Regisseur Martin Scorsese beginnt gleich das antike Rom. Paläste, das Forum Romanum, das Kolosseum - jedoch nicht aus Marmor und Stein, sondern aus Holz und Glasfaserstoff. Zwar wandeln hier nicht mehr Federico Fellini und Marcello Mastroianni. Doch Cinecittà lebt, es wartet nur auf den nächsten großen Film.

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