(21.05.2012)
13.08.2011 13:30
Berlin - Dass die Midlife Crisis stark der Pubertät ähnelt, ist nicht neu. Wie das amerikanische Autoren-Kino mit diesem Thema in jüngster Zeit umgeht aber schon: mit erfrischender Offenheit.
Die aktuellen Geschichten - oft bittersüße Realkomödien, die mit Sicherheit zu den vornehmsten Genres der US-Filmwelt gehören - zeigen, dass im normalen Beziehungsalltag eben nicht alles so perfekt läuft, wie es in der Werbung oder in millionenschweren Hollywood-Produktionen schon mal suggeriert wird. Vor allem aber werden vorgefertigte Geschlechterrollen hier nur allzu gern aufgebrochen.
Erfreulich an diesen Filmen ist außerdem meist die Besetzung. Hier tummeln sich Amerikas beste Charakterdarsteller. Allen voran Julianne Moore, die zuletzt mit Annette Bening ein krisengeschütteltes Lesbenpärchen in der sehenswerten Alltagskomödie «The Kids Are All Right» spielte.
In dem aktuellen Kinofilm «Crazy Stupid Love» ist Moore nun eine der Hauptdarstellerinnen neben dem in Nordamerika überaus beliebten Komiker Steve Carell. Als gereifte Ehefrau Emily erklärt sie Carell in der Rolle ihres Mannes Cal, während die beiden im Restaurant die Nachtisch-Karte studieren, dass sie kein Dessert, sondern die Scheidung wünsche - und setzt damit viel leinwandtaugliches Chaos in Gang.
Als Cal sein Selbstmitleid Abend für Abend in einer Bar begießt, trifft er dort auf den Hallodri Jacob (Ryan Gosling), der seinem desillusionierten Gegenüber mit einer Fülle von Frauengeschichten zu frischem Lebensmut und neuer Männlichkeit verhelfen will. Jacob spornt Cal zu einer persönlichen Generalüberholung an, wie sie üblicherweise weiblichen Rollen nicht schöner auf den Leib geschrieben werden könnte: mit Friseurbesuchen, teuren neuen Klamotten und unendlich vielen Flirts.
So beginnt der Plot, der auf den ersten Blick wie eine Aneinanderreihung von Klischees daher zu kommen scheint, zu kippen - und eben jene vorgefertigten Vorstellungen von der Begegnung zwischen den Geschlechtern mit ironischen Dialogen aufzuspießen. «Ist das dein Ernst? Du siehst aus wie gephotoshopped!», entfährt es zum Beispiel der jungen Studentin Hannah (Emma Stone), als sie Jacobs nackten, muskulösen Oberkörper samt Sixpack-Muskeln zum ersten Mal betrachtet - und sich ihm dann so ganz anders nähert, als dessen immer gleiche, schön-langweilige Liebhaberinnen zuvor.
Nicht nur Jacob muss schließlich erkennen, dass gerade Makel menschlich machen und Gefühle sich nicht einfach retuschieren lassen. Die romantische Komödie «Crazy Stupid Love» wirkt zwar am Ende ein wenig konstruiert und könnte auch etwas schneller als in zwei Stunden geschildert werden, schafft aber elegant den Spagat, diese kleine, komische Liebesgeschichte klug zu erzählen.
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