(21.05.2012)
06.09.2011 11:47
Toronto - Deutschland ist ganz vorne, wenn am Donnerstag das 36. Toronto International Film Festival (TIFF) beginnt.
Zwar fällt der offizielle Startschuss für das elftägige Filmfest erst am Abend bei einer Galavorstellung mit der Dokumentation «From the Sky Down» von Davis Guggenheim («Eine unbequeme Wahrheit»). Bereits am Mittag aber geht es mit der Ausstrahlung der teilnehmenden Filme los, und da darf eine deutsche Produktion den Anfang machen. Die Trilogie «Dreileben» geht als erster von 336 Beiträgen (darunter 68 Kurzfilme) aus 65 Ländern ins Rennen.
«Dreileben» ist eine Zusammenarbeit der Regisseure Christian Petzold («Etwas Besseres als den Tod»), Dominik Graf («Komm mir nicht nach») und Christoph Hochhäusler («Eine Minute Dunkel»). Alle drei 90-minütigen Krimis, die ein gemeinsames Motiv, aber völlig unterschiedliche Handlungsverläufe haben, liefen kürzlich an einem Abend hintereinander in der ARD.
Auch wenn es anders als in Berlin, Cannes und Venedig am Ende nur Zuschauerpreise gibt: Das TIFF ist Nordamerikas größtes Filmfest und gilt als Oscar-Vorbote. Viele Gewinner der TIFF-Auszeichnung räumten später auch in Hollywood ab. «Slumdog Millionär» begann vor drei Jahren seinen Siegeszug in Toronto. Im vorigen Jahr hatte der Film «The King's Speech» die Zuschauer beim Filmfest begeistert, auch er wurde anschließend mit dem Oscar ausgezeichnet.
Deutschland reist mit 29 Filmen an, darunter Dokus und Koproduktionen. Das ist eine geringere Ausbeute als in den Vorjahren. Die Auswahl lässt aber die Herzen von Kinofans höher schlagen: So wird Roland Emmerichs Shakespeare-Film «Anonymous» Weltpremiere feiern. Der deutsche Hollywood-Regisseur drehte den Streifen mit Rhys Ifans und Vanessa Redgrave in Potsdam.
Die Koproduktion «A Dangerous Method - Eine dunkle Begierde» vereint Regisseur David Cronenberg erneut mit Schauspieler Viggo Mortensen. Die beiden drehten bereits «A History Of Violence» und «Eastern Promises - Tödliche Versprechen» zusammen. Während Mortensen den Psychoanalytiker Sigmund Freund spielt, wird der deutsche Schauspieler Michael Fassbender als Carl Jung zu sehen sein.
Auch bei den Dokumentarfilmen hat Deutschland einen vollen Koffer: Unter anderem stehen Wim Wenders' 3D-Film «Pina», «Gerhard Richter Painting» von Corinna Belz und «Die Geschichte der Auma Obama» von Branwen Okap auf dem Programm. Der deutsche Regisseur Werner Herzog wird «Into The Abyss» vorstellen, sein aktuelles Werk über einen Dreifachmord in Texas.
Insgesamt 123 Weltpremieren warten in Toronto auf das Publikum, darunter die neuen Regiewerke von Bruce Beresford, Luc Besson, Francis Ford Coppola und Marc Foster. «Machine Gun Preacher», der jüngste Film des Schweizers Foster mit Gerald Butler in der Hauptrolle, handelt von einem Drogendealer, der zum Kämpfer für die Rechte sudanesischer Waisen wird.
Das angekündigte Staraufgebot kann es mit Venedig, Cannes und Berlin locker aufnehmen: Größen wie Catherine Deneuve, Glenn Close, Clive Owen, Salma Hayek und Philip Seymour Hoffman sollen mächtig Glanz und Glamour versprühen. Neben Brad Pitt, der erstmals in dem Baseball-Film «Moneyball» zu sehen sein wird, ist George Clooney gern gesehener Launemacher jedes Filmfestes - in Toronto gleich doppelt. Als Regisseur mit seinem Polit-Thriller «The Ides of March» und als Darsteller in Alexander Paynes «The Descendants».
Die Organisatoren lassen keinen Zweifel daran, dass Toronto vor allem eines will: gekonnt feiern. Cooler als Cannes und moderner als Venedig möchte man auftreten und dabei lässigen Charme beweisen. Die roten Teppiche am Lido sind noch gar nicht eingerollt, da geht es in der Stadt unter dem CN-Tower - einem der höchsten Bauwerke der Welt - bereits weiter mit Premieren, Glamour und Oscar-Vorhersagen.
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