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Hafströms «Shanghai»: Thriller mit Ambitionen

12.09.2011 14:50

Berlin - Verblichene koloniale Prachtbauten, betörende Chinesinnen, Limousinen auf regennassen Straßen, trübes Licht in düsteren Opiumkaschemmen: Mikael Hafström spart nicht an Ausstattung, um seinen melodramatischen Spionage-Thriller «Shanghai» zu einer Hommage an den amerikanischen Film Noir der 40er Jahre zu machen.

Hafströms «Shanghai»: Thriller mit Ambitionen

US-Spion Paul Soames (John Cusack) will den Mord an einem Kollegen aufklären. (Foto: Senator)

Eindrucksvoll liest sich dazu seine Besetzungsliste mit Stars der westlichen und der östlichen Welt - John Cusack, Ken Watanabe, Chow Yun-Fat, Gong Li, Franka Potente.

Doch auch trotz weiterer Kunstgriffe wird die effektvolle 50-Millionen-Dollar-Produktion des 51-jährigen schwedischen Erfolgsregisseurs («Zimmer 1408») kaum jeden Zuschauer fesseln. Das liegt nicht nur daran, dass der in vielen Genres gestählte Hauptdarsteller Cusack eben kein Bogart ist. In «Shanghai», dem das Vorbild «Casablanca» (1942) deutlich anzumerken ist, übernimmt er zwar Frisur und Habitus des legendären Zynikers, bleibt aber dennoch blass und unentschlossen.

Auch insgesamt wirkt die Geschichte nach dem Drehbuch von Hossein Amini («Die Flügel der Taube») seltsam flach und unausgewogen. In ihrer Geschichtskenntnisse verlangenden Kompliziertheit dürfte sie Teile des Kinopublikums bisweilen überfordern. Gedreht wurde übrigens in eigens erstellten, gigantischen Kulissen in Bangkok (Thailand) - denn kurzfristig hatten die Chinesen ihre für Shanghai gegebene Erlaubnis zurückgezogen.

Cusack gibt einen amerikanischen Spion des Jahres 1941, der vom Einsatz in Nazi-Berlin in das korrupte Shanghai mit seinen vielfältigen Bevölkerungsgruppen zurückkehrt. Als er erfährt, dass ein Freund und Kollege ermordet worden ist, beginnt er - getarnt als Journalist des «Shanghai Herald» - einen gefährlichen Aufklärungseinsatz. Das alles passiert kurz vor der Bombardierung von Pearl Harbor und dem Einmarsch der Japaner auch in die Sektoren Shanghais, die zuvor von Engländern und Franzosen verwaltet wurden.

In nostalgischen Farben, mit oft schnellen Schnitten und untermalt von mysteriös pochender Musik (des Deutschen Klaus Badelt) kreiert Hafström äußerlich virtuos eine Atmosphäre von Exotik und Kriegsangst, Verbrechen, Laster und verhängnisvoller Liebe. Nichts ist mehr wie es scheint, als sein Ermittler auf einen charismatischen Gangster (Chow Yun-Fat), dessen schöne Frau (Gong Li) und einen japanischen Geheimdienst-Offizier (Ken Watanabe) trifft. Sogar mit der wohlfrisierten Frau Müller (Potente in einer kleinen, abrupt endenden Rolle), Gattin des garstigen deutschen Konsuls, muss der Amerikaner ins Bett, um am Ende - welch Wunder - Geheimnissen von weltpolitischer Dimension auf die Spur zu kommen.

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