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Potente als «Valerie»: Zeitgeistiges Liebes-Solo

19.09.2011 08:55

Berlin - Karrierefrau Valerie lebt aus Koffern. Da ihr Freund, ein Restaurator namens Raphael, seit Monaten im Koma liegt, will die schöne, noch junge Frau ihre Zelte in Los Angeles abbrechen und wieder ganz nach Berlin zu ihm zurückziehen.

Potente als «Valerie»: Zeitgeistiges Liebes-Solo

Sich selbst im Blick: Valerie.

Kurz vorher nimmt sie ein Video von sich auf, das an seinem Krankenbett abgespielt werden soll. Darin will Valerie erklären, wie er zur Liebe ihres Lebens wurde. Doch mehr und mehr strudelt sie in umwälzende Selbsthinterfragung. Diese Geschichte, die Roger Willemsen auf Basis seines Romans «Kleine Lichter» schrieb, erzählt Regisseur Josef Rusnak mit einer ihren Text hübsch aufsagenden Franka Potente im stylishen Solo-Dramolett «Valerie».

Sein Werk ist der letzte Teil einer Trilogie von Selbstbefragungs-Kammerspielen des Hamburger Produzenten Hubertus Meyer-Burckhardt. Eindrucksvoll geriet ihm 2002 «Mein letzter Film». Nach dem Roman von Bodo Kirchhoff und unter Regie von Oliver Hirschbiegel nimmt darin Hannelore Elsner als alternde Schauspielerin ihre Lebensbeichte auf Video auf. Für ihre intensive Leistung erhielt Elsner den Deutschen Filmpreis. Ebenfalls Hirschbiegel inszenierte 2005 «Ein ganz gewöhnlicher Jude» mit Ben Becker, der von der Kritik verhaltener aufgenommen wurde.

In «Valerie» lässt Rusnak nun in Schwarz-Weiß aufnehmen, wie die einsame Heldin ihre wackeligen Farb-Selbstbilder macht. Hoch dekorativ schaut ihr Ambiente aus - eine mit Kunstobjekten und Lässigschick ausgestattete Kreuzberger Dachwohnung. Ästhetisch variiert auch Valeries Bob-Friseur - mal mit Haarband, mal in Löckchen. Szenig flirrt die Bar, in deren Männertoilette ein Fremder Sex mit der verunsicherten Frau hat. Schweifende Kamerablicke über das Häusermeer von L.A. lassen sich deuten als diffuse Sehnsüchte nach etwas ganz Anderem. Musik groovt. Und Sätze wie «Stark sind wir jetzt wie die Narbe eines alten Baumes, der für uns bluten musste» klingen geschraubt und bemüht.

Während Valerie sich und ihre Beziehung derart wortreich bespiegelt, tanzt sie mit dem Staubsauger durch die Wohnung oder sitzt mit feuchter Haut in der Sauna. Das lässt die Filmheldin wie ein Produkt schöngeistig-akademischer Kreise wirken. So wie auch ihre Krise kurz vor einem späten Erwachsenwerden typisch sein mag für solche Kinder des Wohlstands, denen das Leben die ganz harten Seiten erspart hat. Leider hält Regisseur Rusnak («The Way We Are»), der ebenfalls in Berlin und Los Angeles lebt, kaum Distanz zu dieser Bürger-Boheme. Vielmehr nimmt er sie ungebrochen wörtlich.

Und das lässt seine in dreizehn Tagen gedrehte Produktion gekünstelt erscheinen. Anmutig und sympathisch, aber ohne spürbare Leidenschaft spricht Potente (zuletzt in «Shanghai») ihren Text in die Kameras. Bisweilen meint man, sie würde sich dabei selbst über die Schulter gucken.

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