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«Perfect Sense»: Liebe in Zeiten der Apokalypse

05.12.2011 11:43

Berlin - «Contagion», «Melancholia»: Apokalypse hat 2011 auch im Arthouse-Kino Konjunktur, nicht nur im Action-Kino. Nun kommt «Perfect Sense» ins Kino. Ein Endzeit-Film zum Nachdenken.

«Perfect Sense»: Liebe in Zeiten der Apokalypse

Eine schwierige Liebe: Susan (Eva Green) und Michael (Ewan McGregor). Foto: Neil Davidson/Senator Filmverleih

Filme mit Ewan McGregor gehen eigentlich immer. Kaum ein Schauspieler ist so stilsicher in der Auswahl seiner Rollen. Jetzt kann man den Star aus «Trainspotting», «Moulin Rouge» oder den neueren «Star Wars»-Filmen mal wieder in einem Melodram im Kino sehen. Zuletzt trat der Vater von vier Töchtern zum Beispiel in Roman Polanskis «Der Ghostwriter» auf.

Davor schillerte er mit schwulen Filmen: in «Beginners» mimte er den Sohn eines Mannes mit spätem Coming out, im Liebesfilm «I love you Phillip Morris» spielte er den Lover eines homosexuellen Betrügers (Jim Carrey). Nun hat er die Hauptrolle in dem beeindruckenden Endzeit-Drama «Perfect Sense» von David Mackenzie, der McGregor schon einmal in «Young Adam - Dunkle Leidenschaft» glänzen ließ.

Eine unerklärliche Epidemie lässt die Menschen urplötzlich auf der ganzen Welt die Sinneswahrnehmungen verlieren: erst den Geruchs- und Geschmackssinn, dann das Gehör und schließlich das Augenlicht. Während sich diese Katastrophe entwickelt, finden in Glasgow die Epidemiologin Susan (Eva Green) und der Gourmet-Koch Michael (McGregor) zusammen. Die Forscherin und der Chefkoch machen es sich sowieso nicht leicht mit der Liebe (Untertitel des Films «A Modern Love Story»), doch die apokalyptischen Umstände machen die Liebe der Mittdreißiger natürlich noch komplizierter.

In schönen Bildern zeigt Regisseur Mackenzie, wie die Menschen langsam verrohen. Die rätselhafte Epidemie breitet sich immer weiter aus, nach jeder Stufe aber gewöhnen sich die Menschen erst einmal an die neuen Verhältnisse. Nach einer kurzen Phase der Verwirrung stellen sie sich auf die neue Situation ein. Die Beziehung der beiden Liebenden wird trotz der widrigen Umstände immer intensiver.

Jeder Eskalationsstufe der endzeitlichen Epidemie gehen große Gefühlsschwankungen voraus. Als Michael seinen Hörsinn verliert, führt sein Wutausbruch dazu, dass sich die beiden verlieren. Nun droht die Blindheit. Finden die beiden noch einmal zusammen, bevor es soweit ist?

Der Film will einen nicht beeindrucken, indem er möglichst nah an der Realität die Angst und Panik zeigt, die wohl ausbrächen, wenn so etwas wie im Film der Menschheit tatsächlich zustieße. Geradezu behutsam schafft er es vielmehr, den Zuschauer hineinzuziehen und fühlen zu lassen, was das bedeuten würde für jeden einzelnen.

Und der Zuschauer kommt von selbst auf den Gedanken: Ist diese Vision, die als Endzeit-Drama gezeigt wird, nicht längst Realität im modernen Alltag, in dem wir Menschen die Freude an den einfachen und grundlegenden Dinge oft vernachlässigen oder gar verloren haben?

Im Film fallen zunächst nur einzelne Menschen ganz plötzlich in tiefe Trauer und können dann nicht mehr riechen. Es ist nicht dieser Sinnesverlust, der filmisch schwer zu fassen ist, der im Kopf des Kinobesuchers hängenbleibt, sondern es sind die simplen, aber beeindruckenden Bilder der Anfälle von Verzweiflung, die dieser ersten Stufe des Sinnes- und später auch zunehmenden Sinnverlusts vorausgehen. Mitten auf der Straße oder auf einem Marktplatz brechen Menschen plötzlich weinend zusammen. Erschütternde Alltagsbilder aus aller Herren Länder, die zeigen wie ähnlich sich alle Menschen sind und wie klein und zerbrechlich unser Planet und das Leben sind.

Großes Kino mit kleinen Mitteln. Wer Pathos mag: Reingehen!

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